Ein Kommentar
Es ist für jeden Fußballfan verständlich und nachvollziehbar, dass ein Wechsel eines langjährigen Teammitgliedes für Emotionen und Enttäuschung sorgt. Doch wenn auch sechs Monate nach dem Wechsel konsequent gegen einen Fußballer gehetzt wird, ist es Zeit diesem Handeln Einhalt zu bieten. Leider passiert dies aktuell in Scheubengrobsdorf nicht und damit wird deutlich, dass auch 10 Jahre nach dem 10. November 2009, sich nicht jeder Vereinsoffizielle und Sportler seiner eigenen Verantwortung bewusst ist.

Es war das Thema des Fußballsommers im Geraer Fußball. Mit dem Trainer Marcus Dörfer, Rico Heuschkel und Max Dörlitz wechselten drei Erfolgsgaranten des Verbandsliga-Aufstiegs der SG TSV Westvororte / JFC Gera zum Stadtrivalen BSG Wismut Gera. Dass dies beim Aufsteiger für wenig Begeisterung sorgte, ist nachvollziehbar. So erklärte der TSV-Vereinsvorsitzende, dass er sich „über den Aufstieg an sich gar nicht mehr so richtig freuen könnte“ und parallel blieb die Tür zur Saisonabschlussfeier für den einst gefeierten Trainer verschlossen.

Deutlich persönlicher wurde es, als ein TSV-Berater öffentlich erklärte, dass der langjährige Kapitän ihn „nie wieder Freund“ nennen soll. „Und schreib mir nie wieder. So bleiben mir wenigstens deine Lügen und deine Schreibfehler erspart“, ist bis zum heutigen Tag auf dem FB-Profil des TSV-Unterstützers zu lesen. Nun ist dies alles im Rahmen der Meinungsfreiheit möglich und die Enttäuschung vielleicht sogar nachvollziehbar. Aber ob die Art und Weise der Kommunikation dem Gedanken eines respektvollen und verantwortungsvollen Miteinanders im Sport entspricht, darüber muss es unterschiedliche Meinung geben, genau wie zum konkreten Sachverhalt des Wechsels auch. Es gibt eben nicht nur die eine Wahrheit. Das zeigt im Übrigen auch die aktuelle Situation bei der Spielgemeinschaft aus dem TSV Westvororte und dem JFC Gera. So ist es genau dieser TSV-Berater, der im Juni 2019 erklärte, dass „Mike Baumann sehr gut in unser Anforderungsprofil passt“. Sechs Monate später sorgt eine mehrheitliche Entscheidung des Vorstandes für eine plötzliche Trennung vom Trainer, was diesem nach seinen eigenen Aussagen in einem Telefonat mitgeteilt wurde. Ganz offensichtlich ändert sich also die Meinung und Einschätzung auch innerhalb der Gremien der SG TSV/JFC einmal. Nichts Verwerfliches, nichts Verwunderliches – warum die handelnden Personen genau den gleichen Vorgang dem ehemaligen Trainer und Kapitän vorwerfen, lässt sich nicht schlüssig erklären.

Doch die selbstkritische Reflexion scheint in diesem Fall in der SG nicht angezeigt. Vielmehr nutzt der Verein – trotz des offensichtlichen Widerspruchs im Fall Baumann – weitere Möglichkeiten, um den langjährigen Kapitän bloßzustellen. So wurde auch ein Feier des Vereins genutzt, um das Ansehen von Dörle weiter zu beschädigen. Nicht nur, dass im Rahmen der Veranstaltung neben der Ehrung von Unterstützern des Vereins auch der „Pinocchio des Jahres 2019“ verliehen wurde. Ein 23-jähriger Abwehrspieler bei der SG TSV Gera Westvororte sah auch keine Probleme darin, das Bild des „Goldenen Pinocchio“ mit Kapitänsbinde in den sozialen Netzwerken zu veröffentlichen – von dort fand das Bild in der Zwischenzeit schnell Verbreitung im Geraer Fußball und wahrscheinlich auch auf das Mobiltelefon von Dörle. Und genau dies ist an Geschmacklosigkeit kaum zu überbieten. Sollten uns der 10. November 2009 nicht daran erinnern, dass es nicht möglich ist, in Menschen hineinzuschauen und uns gleichzeitig daran erinnern, auch im Streitfall respektvoll miteinander umzugehen.

Für eine Spielgemeinschaft, die den Schwerpunkt auf die Ausbildung junger Fußballer und Fußballerinnen setzt, ist das ausgesendete Signal dramatisch. Die Geschehnisse lassen kaum einen anderen Schluss zu, als dass auch weitere Spieler die sich bei einem anderen Verein weiterentwickeln wollen, mit einer derartigen geschmacklosen Aktion rechnen müssen. Dass kein Verantwortlicher innerhalb der SG dieser öffentlichen Diffamierung Einhalt gebietet, ist ein Armutzeugnis. Aber auch das BSG-Umfeld muss reagieren. Wer mit einer Hetzkampagne seit über 6 Monaten einen Spieler der BSG Wismut Gera diffamiert, der verstößt nicht nur gegen Grundsätze des Anstands und Respekts. Es ist ein Angriff auf den gesamten Verein und sein Umfeld – ein Angriff auf Spieler, Offizielle, Mitglieder und Fans.

In erster Linie sind aber die Verantwortlichen der SG gefordert. Wenn die Leitung des an der SG beteiligten JFC Gera ihrer Verantwortung gerecht wird, bleiben nur zwei Möglichkeiten. Entweder ringen sich die Verantwortlichen zu einer Entschuldigung durch oder sie geben den 2014 verliehenen Julius-Hirsch-Preis zurück. Schließlich werden damit nur Vereine ausgezeichnet, die sich “unübersehbar für die Unverletzbarkeit der Würde des Menschen” einsetzen. Und das gilt eben auch für langjährige Kapitäne die zum Stadtrivalen wechseln,

meint Euer Paparazzo Orange!