Zwei Texte im RedaktionsNetzwerk Deutschland und der Frankfurter Rundschau zeigen exemplarisch, welche Diskussion den deutschen Fußball während dieser Weltmeisterschaft begleitet. Es geht dabei weniger um Taktik oder Ergebnisse als um die Frage, welche gesellschaftliche Rolle der DFB in politisch aufgeladenen Zeiten spielen sollte.
Oke Göttlich: Kritik üben und trotzdem vor Ort sein
Im Interview mit der Frankfurter Rundschau erläutert DFB-Vizepräsident Oke Göttlich, warum er trotz seiner kritischen Haltung gegenüber politischen Entwicklungen in den USA zur Weltmeisterschaft reist. Göttlich beschreibt dabei keinen Widerspruch zwischen Kritik und Anwesenheit. Seine Argumentation lautet vielmehr, dass man Missstände oder problematische Entwicklungen nicht dadurch beeinflusse, indem man fernbleibe. Wer Verantwortung übernehmen wolle, müsse sich den Diskussionen vor Ort stellen und Gesprächsmöglichkeiten nutzen.
Die USA bekommen mit drei Großveranstaltungen – dazu die Olympischen Spiele in Los Angeles 2028 und die Frauen-WM 2031 – die nächsten Jahre eine politische Bühne. Das ist schon ein dickes Brett. Und es sind vor allem Gianni Infantino und Donald Trump, die das für sich nutzbar machen.
Oke Göttlich | fr.de
Bemerkenswert ist, dass Göttlich die politische Dimension des Turniers ausdrücklich anerkennt. Anders als frühere Funktionäre, die sich häufig auf die Formel „Sport und Politik trennen“ zurückzogen, macht er deutlich, dass internationale Großereignisse zwangsläufig in gesellschaftliche Debatten eingebettet sind. Der Text liefert damit einen aufschlussreichen Einblick in die Position eines DFB-Funktionärs, der sich weder für einen Boykott noch für demonstrative politische Zurückhaltung ausspricht, sondern einen Mittelweg sucht.
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Bernd Neuendorf und die Antwort von Ruben Gerczikow
Ausgangspunkt der Debatte ist ein Gastbeitrag von DFB-Präsident Bernd Neuendorf im RND: Neuendorf wirbt darin für eine verbindende Kraft des Fußballs. Seine zentrale Botschaft lautet, dass Fußball Menschen zusammenbringen und gesellschaftliche Gräben überwinden könne. Er stellt Gemeinschaft, Respekt und Zusammenhalt in den Mittelpunkt und warnt davor, den Sport zusätzlich für gesellschaftliche Polarisierung zu instrumentalisieren.
Auf diesen Beitrag reagiert Ruben Gerczikow mit einem Kommentar: Er widerspricht Neuendorf nicht grundsätzlich. Auch er erkennt die integrative Kraft des Fußballs an. Sein Einwand lautet jedoch, dass Gemeinschaft und Zusammenhalt allein nicht ausreichen. Aus seiner Sicht muss der DFB gerade dann klarer Position beziehen, wenn demokratische Werte, Minderheitenrechte oder gesellschaftliche Grundfragen betroffen sind.
Sobald es in den Zweikampf mit einem Gegenüber wie der FIFA oder autoritären Regierungen geht, duckt man sich gerne weg. Das ist keine Haltung, sondern Duckmäuserei. Nicht jedes Weltgeschehen muss kommentiert werden. Wer sich jedoch unverrückbare Grundwerte auf die Fahne schreibt, sollte diese auch dann hochhalten, wenn Gegenwind über den Platz pfeift.
Ruben Gerczikow | rnd.de
Der Kommentar versteht sich deshalb weniger als Gegenrede zur Idee von Gemeinschaft, sondern als Forderung nach größerer Konsequenz. Gerczikow argumentiert, dass Werte glaubwürdig vertreten werden müssten – auch dann, wenn dies unbequem werde oder Konflikte auslöse.
Quellen