Ein Kommentar zum Post auf dem Instagramkanal der Frauenmannschaft der BSG: Wenn eine Mannschaft den Verein öffentlich kritisiert, dabei aber die Rolle ihres eigenen Trainers und einer Mitspielerin ausblendet, wird es unglaubwürdig. Wenn zusätzlich von Gewaltaufrufen gesprochen wird, die niemand belegen kann, und kritische Nachfragen auf vereinsnahen Plattformen gelöscht werden, drängt sich eine andere Frage auf: Welches Ziel hat dieses Statement eigentlich wirklich? Das eigentliche Problem scheint weniger das zu sein, was gesagt wird, sondern das, was bewusst verschwiegen wird.
Grundsätzlich gilt: Wenn sich eine Mannschaft im Verein nicht mehr wohlfühlt und mangelnde Unterstützung beklagt, verdient das Aufmerksamkeit. Kritik muss möglich sein. Wer jedoch öffentlich Vorwürfe erhebt, sollte auch die eigene Rolle und die Verantwortung der Personen im unmittelbaren Umfeld der Mannschaft betrachten.
Genau das fehlt in diesem Fall völlig.
Zur Einordnung gehört, dass der ehemalige Präsident Maximilian Weiß weiterhin im Umfeld der Mannschaft aktiv ist und im Vorfeld des für den Klassenerhalt wichtigen Stadtderbys mit Videos auf sich aufmerksam machte, die viele Vereinsanhänger als der Situation nicht angemessen empfanden. Zudem spielt mit Verena S. eine weitere Person in der Mannschaft, die zugleich Funktionen im Vorstand beziehungsweise in der Geschäftsstelle ausübt. Wenn also behauptet wird, die Frauenmannschaft habe nicht die notwendige Aufmerksamkeit oder Unterstützung vom Verein erhalten, stellt sich zwangsläufig die Frage, warum diese Missstände nicht von denjenigen verändert wurden, die als Präsident beziehungsweise Vorstandsmitglied selbst Verantwortung im Verein getragen haben oder weiterhin tragen.
Noch bemerkenswerter ist, was im Statement überhaupt nicht vorkommt. Eine Einordnung der Rolle des ehemaligen Präsidenten bei der aus Sicht vieler Mitglieder und Anhänger größten finanziellen und kommunikativen Krise seit der Neugründung des Vereins fehlt vollständig. Keine Erwähnung der Diskussionen und Vorwürfe rund um Spendengelder und Spieltagseinnahmen, keine Erwähnung, dass es dabei unter anderem um Spenden für ein an Krebs erkranktes Kind geht. Ebenso fehlt eine Auseinandersetzung mit dem erheblichen Imageschaden, der daraus entstanden ist. Stattdessen wird über mangelnde Wertschätzung der Mannschaft gesprochen. Dabei sehen viele Vereinsmitglieder und Fans gerade in der Amtszeit von Maximilian Weiß die Ursache dafür, dass der Verein – und damit auch alle Mannschaften – in eine existenzbedrohende Lage geraten ist. Sein Nachfolger musste öffentlich um Unterstützung werben, der MDR berichtete bereits von einem Verein am Rande der Insolvenz. Die Folgen dieser Entwicklung beschäftigen den gesamten Verein bis heute.
Besonders irritierend sind die Vorwürfe der Frauenmannschaft über angebliche Gewaltaufrufe aus dem Vereinsumfeld. Bei einem solch schwerwiegenden Vorwurf erwarten viele Beobachter nachvollziehbare Belege. Mehrere Nutzer fragten daher öffentlich nach konkreten Nachweisen und verwiesen darauf, dass sie in den genannten Beiträgen keinen Aufruf zur Gewalt erkennen konnten.
Auslöser der Debatte waren zwei kritische Grafiken der Wismut Szene 51 unter der Überschrift „Gegen die Feinde des Vereins“. Darin werden der ehemalige Präsident Max Weiß sowie Vorstandsmitglied und Geschäftsstellenleiterin Verena Schürer scharf kritisiert. So heißt es unter anderem: „Der Spendenkassengreifer Weiß beeinflusst die Frauenmannschaft – sein eigener Austritt ist längst überfällig.“ Über Verena Schürer wird geschrieben: „Sie sollte den Verein eigentlich mit Herzblut vertreten. Stattdessen unterstützt sie Herrn Weiß …“
Diese Aussagen mögen hart und die Darstellung polemisch sein. Ein Aufruf zur Gewalt findet sich in den veröffentlichten Grafiken jedoch nicht. Genau darauf verwiesen zahlreiche Nutzer in den sozialen Netzwerken und baten um Aufklärung, worauf sich der Vorwurf der Frauenmannschaft konkret stützt. Eine Antwort blieb aus. Statt einer Klarstellung oder einer nachvollziehbaren Beweisführung wurden kritische Nachfragen und Kommentare offenbar vollständig gelöscht. Wer derart schwerwiegende Vorwürfe erhebt, sollte sie nachvollziehbar belegen können. Damit bleibt auf einem Instagramprofil – welches den offziellen Vereinsnamen nutzt – weiterhin eine Behauptung bestehen, die Teile der Fanszene diskreditiert, ohne dass dafür bislang öffentlich nachvollziehbare Belege vorgelegt wurden.
Fakt ist, dass dieser öffentliche Post Konsequenzen für den Verein haben dürfte. Ein öffentlicher Aufruf zu einer Gewalttat wäre strafbar. Erfährt die Polizei oder Staatsanwaltschaft davon – und dies darf aufgrund der öffentlichen Nachfrage eines Polizisten zum Statement des Vorstandes auf der Facebook-Seite der BSG Wismut Gera als gegeben angenommen werden – muss sie schon von Amts wegen Ermittlungen einleiten. Dies bedeutet, dass die Behörden den Fall unabhängig von der individuellen Erstattung einer Strafanzeige verfolgen. Durch die erlangte öffentliche Aufmerksamkeit, muss also davon ausgegangen werden, dass dieser Post ein (juristisches) Nachspiel haben wird.
In diesem Zusammenhang ist die Reaktion des Vereins noch bemerkenswerter. Wer erwartet hatte, dass die Vereinsführung die Situation aufklärt oder zumindest eine sachliche Einordnung des Vorwurfs der mangelnden Unterstützung der Frauenmannschaft durch den Vorstand vornimmt, wurde bislang enttäuscht. Weder wurden die offenen Fragen beantwortet noch die erhobenen Vorwürfe präzisiert. Stattdessen bleibt das Statement der Frauenmannschaft stehen, das unbelegte und rechtlich relevante Behauptungen enthält und weit über die Vereinsgrenzen hinaus für Diskussionen sorgt.
Zusätzliche Irritationen verursacht die Tatsache, dass das offizielle Vereinsstatement „im Namen des Vorstandes“ lediglich von zwei Vorstandsmitgliedern unterzeichnet wurde – Personen, die bereits während der Amtszeit von Maximilian Weiß dem Vorstand angehörten. Auch deshalb wächst bei vielen Mitgliedern und Fans das Unverständnis darüber, dass die unbelegten Vorwürfe auf dem Instagram-Kanal der Frauenmannschaft offenbar widerspruchslos geduldet werden.
Entsprechend kritisch äußern sich viele Anhänger. Auf der Facebook-Seite des Vereins schrieb ein Nutzer: „Distanziert euch lieber von Max Weiß, das wäre mal ein guter Anfang.“ Eine vergleichbare öffentliche Distanzierung gibt es bislang weder seitens der Frauenmannschaft noch des Vorstandes, der zudem einen historischen Doppelabstieg im Männerbereich zu verantworten hat. Ein anderer langjähriger Fan fragte öffentlich, wer eigentlich Verantwortung für diesen beispiellosen Absturz übernehme und warum die damaligen Vorstandsmitglieder offensichtliche Fehlentwicklungen nicht früher gestoppt hätten. Es sind Fragen, die bis heute unbeantwortet sind.
„Wer übernimmt eigentlich mal Verantwortung für diesen beispiellosen Absturz? Wo waren die Vorstandsmitglieder, die die Fehlentwicklungen in der Ära ‚Wax Meiss‘ hätten hinterfragen und stoppen müssen?“
Re Mmi via Facebook
Für viele Beobachter ist dies ein weiterer Beleg dafür, wie tief die Krise des Vereins inzwischen reicht. Bemerkenswert erscheint dabei die unterschiedliche Behandlung von Personen innerhalb des Vereins. Während auf Mitgliederversammlungen Funktionäre öffentlich zum Verlassen des Vorstandstisches aufgefordert oder Mitglieder ausgeschlossen wurden, blieb ausgerechnet der ehemalige Präsident trotz der schwerwiegenden Vorwürfe weiterhin im Verein aktiv und trainierte die Frauenmannschaft. Für viele Mitglieder und Fans ist dieser Widerspruch kaum nachvollziehbar.
Hinzu kommt ein weiterer Aspekt, der die Diskussion zusätzlich verschärft. Nach Aussagen aus dem Vereinsumfeld wurde die Mannschaft darüber informiert, dass Maximilian W. und Verena S. den Verein verlassen würden und andere Vereine wie „Münchenbersdorf und Eurotrink“ bereit seien, die komplette Mannschaft inklusive Trainer zu übernehmen. Dass eine hauptamtliche Mitarbeiterin und Vorstandsvertreterin aktiv an einem solchen Wechsel beteiligt gewesen sein soll, sorgt bei vielen Anhängern für erheblichen Unmut. In der Fanszene wurde dies nicht als gewöhnlicher Vereinswechsel wahrgenommen, sondern als bewusste Abkehr vom Verein.
Vor diesem Hintergrund wirken sowohl das Statement der Frauenmannschaft als auch die Stellungnahme des Vereins bemerkenswert einseitig. Sie enthalten Vorwürfe gegen den Verein beziehungsweise Teile der Fanszene, blenden jedoch die Verantwortung derjenigen aus, die über Jahre selbst Teil der Vereinsführung oder des unmittelbaren Umfelds waren. Die Frauenmannschaft spricht von fehlender Unterstützung, ohne die eigenen Einflussmöglichkeiten zu reflektieren. Sie enthält schwerwiegende Anschuldigungen, ohne diese nachvollziehbar zu belegen, und vermeidet jede kritische Einordnung der Person, der die Mannschaft gleichzeitig die Treue hält.
Gerade deshalb wirkt der Abschied weniger wie eine umfassende Aufarbeitung von Problemen, sondern eher wie der Versuch, die eigene Verantwortung auszublenden. Wer glaubwürdig Kritik üben möchte, muss bereit sein, auch die unbequemen Teile der Geschichte anzusprechen. Dazu gehören die Diskussionen um Spendengelder, der entstandene Imageschaden und die Rolle derjenigen, die diese Zeit mitverantwortet haben.
Zurück bleibt kein mutiges Statement für die Interessen des Fußballs der Frauen, sondern leider genau das Gegenteil. Es ist ein Abgang, der von Auslassungen, Widersprüchen und unbeantworteten Fragen geprägt ist. Seit diesem Wochenende ist vielen Unterstützern klar, dass neben der finanziellen und strukturellen auch die moralische Neuaufstellung des Vereins längst überfällig ist.
Glück auf!