Die Männer der BSG Wismut Gera errangen am Wochenende drei immens wichtige Punkte gegen den Oberliga-Dino aus Sandersdorf. Sie werden von einem der besten Trainer der jüngeren BSG-Vergangenheit betreut und stehen nach 21 absolvierten Punktspielen sechs Punkte über dem Strich. Besser geht es kaum. Und doch ist ein Gespräch über den Verein kaum möglich, ohne beim Gegenüber für Kopfschütteln zu sorgen.
Der Präsident gibt über soziale Kanäle ungeniert seiner Wut Ausdruck, der Vorstand kontert mit einem Statement, das den Begriff „Überprüfung“ häufiger nutzt, als Zuschauer das Spiel des Brause-Konstrukts gegen Kiel sehen wollen. Doch warum hat diese vielzitierte Überprüfung bislang versagt? Weshalb haben weder Ehren- noch Hauptamt etwas bemerkt? Antworten auf diese Fragen? Fehlanzeige. Der Verein präsentiert sich unprofessionell und ist in dieser Verfassung – zumindest abseits des Rasens – nicht oberligatauglich.
Fest steht: Der Präsident hat einen Fehler gemacht. Damit hat er nicht nur erhebliches Vertrauen verspielt, sondern auch an seinem eigenen Denkmal für leidenschaftliches Engagement gesägt. Im Podcast betonte er zwar, dass „alle geliehenen Gelder ordnungsgemäß zurückbucht wurden, sodass weder dem Verein noch Privatpersonen finanzielle Nachteile entstanden sind“. Doch nun ist es an den Mitgliedern, genau das zu überprüfen und den Prozess mit Fakten abzuschließen.
Zur Wahrheit gehört jedoch auch, dass Teile des Vorstands diese Krise bewältigen wollten, ohne Personen zu beschädigen. Dieses Vorhaben ist kläglich gescheitert. In der Bezirkshauptstadt kursierten – eigentlich interne – Informationen aus dem BSG-Umfeld nahezu an jedem Fußballstammtisch. Das Ergebnis? Nur Verlierer. Fast. Denn die einzige Gewinnerin ist die Transferpolitik des Winters. Inmitten des öffentlichen Streits sind essenzielle Fragen zu den Abgängen, den geheimnisvollen Neuzugängen und der grundsätzlichen Strategie nahezu untergegangen.
So schwer es fällt, jetzt heißt es: Blick nach vorn! Ein Rückschritt darf weder personell noch sportlich erfolgen. Es liegt auch an Präsident Maximilian Weiß, dies zu verhindern. Die Mitglieder erwarten nicht nur Aufklärung über mögliche finanzielle Verfehlungen, sondern auch Klarheit zur Gesamtsituation des Vereins – insbesondere im Hinblick auf die Übernahme 2022. Zudem braucht es eine personelle Perspektive. Spätestens seit dem Wochenende ist öffentlich klar, dass ein großer Teil der Fanszene in diesem Neuanfang auf den sportlichen Leiter verzichten würde. Die Unterstellung, dass dies mit dem Aufklärungswillen zusammenhänge, ist ebenso abenteuerlich wie falsch. Wer die Sorgen der Fans verstehen will, muss keine internen Dokumente oder Informationen kennen. Ein Blick auf die Internetseite des FC International Leipzig und ein Abgleich mit den Winterzugängen der BSG genügen, um die Skepsis nachzuvollziehen.
Die außerordentliche Mitgliederversammlung bietet den Verantwortlichen die Chance, das Vertrauen zurückzugewinnen. Doch um es klar zu sagen: Gelingt es nicht, am 25. April 2025 für geordnete Verhältnisse zu sorgen, wird dies zwangsläufig Auswirkungen auf die Stimmung in der Kabine und damit auf die sportliche Leistung haben. Glaubt ernsthaft jemand, dass unter diesen Bedingungen Spieler zu halten oder gar neue zu gewinnen sind?
(Außer vielleicht ehemalige Kicker vom Mariannenpark in Leipzig. Sorry, den konnte ich nicht liegen lassen.)
Umso mehr gilt es, Mannschaft und Trainer Respekt zu zollen. Der Verein gibt aktuell ein desolates Bild ab, doch niemand aus dem sportlichen Bereich nutzt dies als Ausrede. Noch vor wenigen Jahren hätte man für jeden Punktverlust die Schuld in der Kurve oder im Internet gesucht. Gut, dass diese Zeiten vorbei sind. Und niemand – ja, wirklich niemand – will sie zurück. Doch um die in den letzten Jahren erzielten Fortschritte in der Außendarstellung des Vereins nicht zu verspielen, muss der erst vor 4 (in Worten vier) Monaten gewählte Vorstand den Mitgliedern und Sportlern eine klare personelle Perspektive bieten. Die Mitglieder wiederum haben die Aufgabe, sowohl die aktuellen und zukünftigen Vorstandsmitglieder auf Herz und Nieren und sowie ihre Aussagen auf den Wahrheitsgehalt zu prüfen. Gelingt dies, hat der Verein eine realistische Chance, diese Herausforderungen zu meistern.
Glück auf!