Nachspiel


Das Halbfinale zwischen Royale Union Saint-Gilloise und Royale Sporting du Pays de Charleroi, kurz Sporting Charleroi, bot sportlich wie atmosphärisch vieles von dem, was den belgischen Fußball auszeichnet: Leidenschaft, Intensität und ein Gegner, der sich trotz Unterzahl mit Herz und Mut präsentierte. Doch was als großer Fußballabend begann, fand ein bitteres Nachspiel mit brennenden Fackeln zwischen Union-Fans auf der Tribune Est und Sportlern auf dem Feld.

In einem offiziellen Kommuniqué verurteilte Sporting Charleroi die Vorfälle, die sich nach Abpfiff sowohl im Stadion als auch in der Stadt ereigneten, mit deutlichen Worten. Der Klub stellte klar, dass diese Handlungen von einer Minderheit ausgingen und in keiner Weise die Werte widerspiegeln, für die Charleroi stehen will: Respekt, Fairplay und sportlicher Geist – auf und neben dem Platz. Man kündigte die Zusammenarbeit mit den zuständigen Behörden an, um die Verantwortlichen zu identifizieren, und versprach zudem vereinsinterne Maßnahmen. Gleichzeitig richtete der Verein ein ausdrückliches Dankeschön an die große Mehrheit der mitgereisten Fans, die ihre Mannschaft leidenschaftlich, aber respektvoll unterstützt hatten. Die Botschaft war unmissverständlich: Das Image des Sporting de Charleroi darf nicht durch das Fehlverhalten weniger beschädigt werden.

Auch aus der aktiven Fanszene kamen selbstkritische Töne. In einem emotionalen Statement wurde insbesondere die Pyrotechnik scharf verurteilt – sowohl auf dem Spielfeld als auch außerhalb der Tribünen. Sie sei sinnlos und schade all jenen, die sich seit Jahren für stimmungsvolle, kreative und zugleich sichere Choreografien einsetzen. Die sportliche Analyse fiel dagegen fair aus: Die Niederlage sei logisch gewesen, insbesondere angesichts der langen Phase in Unterzahl. Die Enttäuschung sei groß, vor allem mit Blick auf eine mögliche historische Finalteilnahme, doch der Stolz über den couragierten Auftritt überwiege. Der Dank galt den Spielern für einen respektvollen und kämpferischen Pokalweg – verbunden mit dem klaren Appell, den Blick nach vorne zu richten und geschlossen das nächste Ligaspiel gegen Gent anzugehen.

Ein Charleroi-Anhänger brachte die Gemütslage vieler mit einem Kommentar auf den Punkt: Der gesamte Auftritt, geprägt von Einsatz und Zusammenhalt, sei innerhalb weniger Sekunden von den Zwischenfällen nach Spielende überschattet worden. Besonders schmerzhaft sei gewesen, dass man die eigene Mannschaft nicht mehr gebührend habe feiern können, nachdem ein gezündeter Rauchkörper nur knapp an Spielern wie Van den Kerkhof oder Scheidler vorbeigeflogen sei. Trotz allem überwog auch hier der Dank an die Mannschaft für diese zweite Halbfinalteilnahme.

Bemerkenswert waren schließlich auch die Stimmen aus dem Lager des sportlichen Gegners. Ein RUSG-Fan zollte Charleroi offenen Respekt: Die Mannschaft spiele attraktiven Fußball und habe das Potenzial, sich dauerhaft in der Top-6 Belgiens zu etablieren. Zwar habe die Union in der zweiten Halbzeit spürbar einen Gang höher geschaltet, doch Charleroi habe mutig dagegengehalten. Die vielen mitgereisten Carolo-Fans, selbst in den Heimtribünen präsent, hätten zu einer starken Atmosphäre beigetragen – ein Fußballabend, der sportlich in Erinnerung bleiben sollte.

So bleibt nach diesem Halbfinale ein zwiespältiger Eindruck: Auf der einen Seite ein sportlich respektabler Auftritt, Anerkennung von Gegnern und eine breite, positive Fanbasis. Auf der anderen Seite Vorfälle, die all dies zu überlagern drohen. Für Sporting de Charleroi und sein Umfeld wird es nun darum gehen, aus diesen Ereignissen die richtigen Konsequenzen zu ziehen – damit künftig wieder der Fußball und nicht das Nachspiel im Mittelpunkt steht.

Quellen

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