Die BSG Wismut Gera gewinnt in Jena-Zwätzen mit 5:0, verteidigt die Tabellenführung und zeigt, was in dieser Mannschaft steckt. Nach zwei Jahren des Horrors sind die vergangenen 12 Spiele in der Landesklasse und im Pokal ein echtes Hoffnungszeichen.
Es sind diese Nachmittage, die man als Wismut-Anhänger lange vermisst hat. Ein souveräner 5:0-Auswärtssieg beim SV Jena-Zwätzen, eine Mannschaft, die nach anfänglichen Schwierigkeiten immer besser ins Spiel findet, ihre Chancen nutzt und den Gegner schließlich deutlich beherrscht. Die BSG Wismut Gera hat am Samstag nicht nur drei Punkte geholt. Sie hat erneut gezeigt, dass sich etwas entwickelt.
Der Auftritt beim ehemaligen Team von Trainer Daniel Sander war eine Machtdemonstration des Spitzenreiters. Das sah auch „Jena-Zwätzen-Legende“ Marco Barich in seinem Liveticker so. Gerade in der zweiten Halbzeit drehte Wismut auf, während bei den Gastgebern zunehmend die Köpfe nach unten gingen. Der Geraer Sieg war auch in dieser Höhe verdient.
Dabei ist es nicht allein das Ergebnis, das Hoffnung macht. Natürlich sind fünf Tore und ein weiteres Spiel ohne Gegentreffer eine Ansage. Marcel Kießling mit drei Treffern und einer Vorlage, Florian Schubert mit seinem Geburtstags-Tor und eine Mannschaft, die ihre Möglichkeiten konsequent nutzt, liefern genügend Gründe zur Freude. Aber die entscheidende Entwicklung liegt tiefer.
Diese Mannschaft arbeitet. Sie kämpft. Und sie bleibt dran.
Auch wenn es einmal nicht sofort läuft, wird nicht aufgehört, Zweikämpfe anzunehmen und füreinander zu arbeiten. Genau dieses Element hat Wismut in Jena-Zwätzen ausgezeichnet. Die Mannschaft hat sich nach den ersten zehn Minuten in die Partie hineingearbeitet und anschließend ihre individuelle Qualität ausgespielt. Dass Trainer Daniel Sander hinterher so deutlich seine Freude über den Fußball seiner Mannschaft zum Ausdruck brachte, ist deshalb mehr als ein beiläufiges Lob.
Unter dem Trainerteam um Cheftrainer Daniel Sander und Co-Trainer Erik Tauch ist eine bemerkenswerte Entwicklung zu beobachten. Die jungen Spieler bringen einen unglaublichen Ehrgeiz mit, die erfahrenen Akteure eine Spiellust, die ansteckend wirkt. Hier wächst etwas zusammen. Es macht wieder Spaß, dieser Mannschaft zuzuschauen.
Nach 24 Monaten des Horrors ist das keine Selbstverständlichkeit. Wer die jüngere Vergangenheit der BSG verfolgt hat, weiß, wie viel Enttäuschung, Frust und Unsicherheit hinter diesem Verein liegen. Umso wertvoller ist es, jetzt eine Mannschaft zu erleben, die auf dem Platz nicht auseinanderfällt, sondern gemeinsam Lösungen findet.
Die Belohnung ist die Tabellenführung in der Landesklasse 1. Mit fünf Punkten Vorsprung auf den SC 1903 Weimar steht Wismut an der Spitze. Das ist eine Momentaufnahme, aber eine, die sich die Mannschaft mit ihren Leistungen verdient hat.
Natürlich wird irgendwann der nächste Rückschlag kommen. Vielleicht ein unglückliches Gegentor, vielleicht ein Spiel, in dem die Chancen nicht genutzt werden, vielleicht auch eine Niederlage. Erst dann wird sich zeigen, wie belastbar die neue Stabilität tatsächlich ist. Fußball verläuft selten so geradlinig, wie es eine Tabelle nach einem 5:0 vermuten lässt.
Doch selbst wenn es auf dem Platz wieder Niederlagen geben sollte, muss deshalb nicht gleich alles zusammenbrechen. Diese Mannschaft vermittelt derzeit etwas, das über einzelne Ergebnisse hinausgeht: Zusammenhalt, Ehrgeiz und Freude am Fußball. Das ist eine Grundlage, auf der sich aufbauen lässt.
Die Herausforderungen neben dem Platz
So groß die Freude über die sportliche Entwicklung ist, so wenig dürfen die anderen Themen ausgeblendet werden. Denn die BSG Wismut Gera besteht nicht nur aus elf Spielern auf dem Rasen. Ein Verein braucht Menschen, die sich engagieren, Zuschauer, die sich mit ihm identifizieren, und eine gemeinsame Vorstellung davon, wofür er stehen soll.
Abseits des Platzes gibt es offene und neue Baustellen. Die Entwicklung beim Zuschauerschnitt ist ein Thema. Hinzu kommt eine Diskussion, die für den Verein mittel- oder kurzfristig unangenehm werden wird: die Verwendung von Vereinsinsignien im Zusammenhang mit politischen Veranstaltungen. Früher gab es bei Wismut einen klaren Grundsatz: Der Verein steht an erster Stelle. Dieser gemeinsame Konsens scheint zumindest nicht mehr von allen gleichermaßen getragen zu werden. Wenn von einzelnen Akteuren dieser Grundsatz für die eigenen politischen Interessen aufgekündigt wird, bleibt das nicht folgenlos. Es wird dem Ansehen des Vereins schaden. Wer glaubt, solche Vorgänge hätten keine Konsequenzen, unterschätzt ihre Wirkung und die jüngere Geschichte der BSG. Ein Blick auf das Wikipedia-Profil des Vereins hilft. Er wäre eine besondere Dramatik, wenn der lang ersehnte sportliche Erfolg, durch andere Schlagzeilen überdeckt wird.
Diesen Aufschwung nicht verspielen
Doch in jedem Fall verdient die sportliche Entwicklung Respekt und Anerkennung. Das gilt für die Spieler ebenso wie für das Trainerteam. Sie haben sich diese Aufmerksamkeit mit ihrer Arbeit verdient. Der 5:0-Erfolg in Jena-Zwätzen war dafür ein eindrucksvolles Beispiel. Die BSG Wismut Gera hat eine Mannschaft, die Hoffnung macht. Eine Mannschaft, bei der junge Spieler mit Ehrgeiz und erfahrene Akteure mit Spielfreude auftreten. Eine Mannschaft, die nicht nur Fußball spielen, sondern auch gegen den Ball arbeiten will. Und eine Mannschaft, die ihren Vorsprung an der Tabellenspitze nicht geschenkt bekommen hat.
Das ist eine neue Welt im Vergleich zu dem, was viele Wismut-Anhänger zuletzt erleben mussten.
Nun muss es gelingen, diesen sportlichen Aufschwung in eine positive Entwicklung für den gesamten Verein zu übersetzen. Dafür braucht es mehr als Siege. Es braucht Verantwortungsbewusstsein, Klarheit in der Außendarstellung und einen gemeinsamen Willen, die BSG Wismut Gera als Verein zusammenzuhalten. Es gibt endlich wieder einen Grund, nach vorn zu schauen. Diesen Grund hat sich die Mannschaft mit ihrer Arbeit und ihren Leistungen selbst erarbeitet. Ich habe keinen Zweifel, dass die sportlich Verantwortlichen auf dem Platz und der Trainerbank dafür sorgen werden, dass daraus mehr wird als eine schöne sportliche Momentaufnahme.
Doch ob aus dem sportlichen Aufbruch der 1. Männermannschaft eine positive Entwicklung für den gesamten Verein wird, liegt vor allem in den Händen des Vereins selbst,
glaubt Euer Paparazzo Orange!