Viel Text, wenig Position, mehr Fragezeichen: Die Stellungnahme des FC Thüringen Weida – die nicht auf der Internetseite, sondern ausschließlich als Story in den Meta-Netzwerken veröffentlicht wurde – wirft mehr Fragen auf, als sie beantwortet.
„Uns ist zu Ohren gekommen …“ heißt es dort eingangs. Da darf man sich durchaus fragen: Redet die Vereinsführung eigentlich nicht miteinander? Denn im Video selbst eröffnet Vorstandsmitglied Hendrik Pohland die Sequenz und spricht von „hässlichen Fans“. Spätestens an diesem Punkt wirkt die Formulierung, man habe lediglich „von einem Video gehört“, bemerkenswert überraschend – um es vorsichtig zu sagen. Auch weitere Beteiligte stehen in unmittelbarer oder mittelbarer Verbindung zur Vereinsspitze – etwa wenn Weidas Fußball-Ikone Volker Wengler gemeinsam mit Präsident Nick Schubert als „Versicherungsteam“ firmiert.
Noch irritierender ist die Passage, wonach „unsere Mannschaft“ an der Erstellung und Verbreitung des Videos nicht beteiligt gewesen sei. Diese Wortwahl auf einem offiziellen Vereinskanal wirft Fragen auf. Gehört die Frauenmannschaft nicht ebenso selbstverständlich zum Verein? Mehrere tragende Säulen eben dieser Mannschaft kommen im Video zu Wort – mit fairen, sportlich ambitionierten, derbytypischen Aussagen, die für sich genommen nicht zu beanstanden sind. Doch sie sind Teil desselben Gesamtprodukts. Wenn also von „unserer Mannschaft“ gesprochen wird, entsteht zumindest der Eindruck einer sehr selektiven Abgrenzung.
Respekt ist keine Frage des Verteilerkreises
Am gravierendsten jedoch ist die Argumentation, das Video sei ausschließlich zur internen Motivation gedacht gewesen. Als liege das eigentliche Problem nicht im Inhalt, sondern darin, dass es öffentlich wurde.
Doch Respekt ist keine Frage des Verteilerkreises.
Homophobe Aussagen werden nicht harmloser, nur weil sie intern fallen. Sie werden nicht akzeptabler, nur weil sie der „Motivation“ dienen sollen. Wer zur Einstimmung auf ein Derby auf die Herabwürdigung vermeintlicher sexueller Identität zurückgreift, offenbart ein Werteverständnis, das mit den Leitbildern des Sports schwer vereinbar ist. Wenn Diskriminierung intern als Mittel der Motivation taugt, dann geht es nicht um ein Kommunikationsproblem – sondern um Haltung.
Wer glaubwürdig sein will, benennt Fehlverhalten
Eine klare, unmissverständliche Distanzierung von der konkret gefallenen homophoben Wortwahl des ehemaligen Spielers bleibt in der Stellungnahme aus. Stattdessen ist allgemein von Aussagen die Rede, die „nicht der Vereinshaltung entsprechen“. Wer glaubwürdig sein will, benennt Fehlverhalten eindeutig – statt es hinter abstrakten Formulierungen zu verbergen.
Inzwischen zeichnet sich durch Berichte aus dem Vereinsumfeld ein klareres Bild davon ab, wie dieses Video entstanden ist und wer daran beteiligt war. Auch das steht im Kontrast zur Darstellung eines rein internen, quasi zufällig nach außen gelangten Motivationsbeitrags.
Widersprüche statt Klarheit
Mit dieser Erklärung schafft der Verein kaum Klarheit – sondern neue, offenkundige Widersprüche.
Nun liegt der Ball nicht mehr auf dem Roten Hügel oder am Steg. Es wird auf einer anderen Ebene zu klären sein, ob der Thüringer Fußball – und gegebenenfalls auch außerhalb des Sports zuständige Stellen – klare Grenzen ziehen oder ein Verhalten dulden, das dem Spiel und seinen eigenen Ansprüchen widerspricht.
Respekt ist kein Slogan.
Er zeigt sich dann, wenn es unbequem wird.
Glück auf.