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Der goldene Traktor

Als ein Dorf aus Thüringen 1960 den Fußball der DDR eroberte

Ein kleiner Dorfverein aus Thüringen, große Bühne in Schwerin: 1960 gewann die BSG Traktor Obermaßfeld den „Goldenen Traktor“ und setzte damit ein bemerkenswertes Ausrufezeichen im DDR-Fußball. Der Wettbewerb war weit mehr als ein Fußballpokal. Er sollte den Sport auf dem Land fördern, Vereine miteinander messen und zeigen, dass auch in kleinen Dörfern leistungsfähiger Fußball entstehen konnte.

Wenn heute über den Fußball der DDR gesprochen wird, fallen vor allem die großen Namen: Dynamo Dresden, 1. FC Magdeburg, Carl Zeiss Jena, Lok Leipzig oder der BFC Dynamo. Doch unterhalb dieser Oberliga-Welt existierte ein riesiges Netz von Betriebssportgemeinschaften. Gerade auf dem Land war die Sportvereinigung Traktor die prägende sportorganisatorische Heimat.

Und dort ging es keineswegs nur um Freizeitfußball.

In den Dörfern wurde trainiert, um Aufstiege gespielt, um Kreismeisterschaften gekämpft – und um einen Pokal, der einen ungewöhnlichen Namen trug: der „Goldene Traktor“.

Der organisierte Sport im Dorf

Die Geschichte des „Goldenen Traktors“ ist eng mit dem politischen und gesellschaftlichen Wandel auf dem Land in der frühen DDR verbunden. Der zeitgenössische Blick auf die Entwicklung, wie ihn die Fußballwoche Mitte der 1960er-Jahre wiedergab, war dabei eindeutig ideologisch geprägt. Die Zeitung stellte die sportliche Entwicklung in den Zusammenhang mit der Bodenreform von 1945 und dem Aufbau neuer gesellschaftlicher Strukturen auf dem Land. Aus der Sicht der DDR-Sportpresse war damit auch die Voraussetzung geschaffen worden, den Sport in den Dörfern systematisch zu entwickeln.

Die entscheidende organisatorische Zäsur folgte am 18. März 1951 in Hagenow: Dort wurde die Sportvereinigung Traktor gegründet. Sie sollte zum sportlichen Dach für die ländlichen Gemeinschaften werden. Die Entwicklung war rasant. Nach Angaben der Fußballwoche gab es Mitte 1951 zunächst 37.000 Mitglieder in 560 Traktor-Gemeinschaften. 1958 waren daraus bereits 280.000 Mitglieder in 1.600 Gemeinschaften geworden. 1965 sprach die Zeitung schließlich von rund 4.000 Betriebssportgemeinschaften, in denen etwa 800.000 Landbewohner regelmäßig Sport trieben.

Diese Zahlen sind Zahlen der damaligen DDR-Sportpresse und damit auch Teil der offiziellen Selbstdarstellung des Systems. Sie zeigen dennoch eindrucksvoll, welchen Stellenwert der organisierte Sport auf dem Land inzwischen erreicht hatte. Und Fußball spielte dabei eine zentrale Rolle.

Vor 66 Jahren: Der eigene Pokalwettbewerb entsteht

Parallel entsteht ein Pokalwettbewerb als Leistungsvergleich. Ein zeitgenössischer Bericht weist ausdrücklich darauf hin, dass der Wettbewerb bereits 1953 dreimal ausgetragen worden war und anschließend ruhte. Auch andere Quellen belegen, dass der „Goldene Traktor“ bereits in den frühen 1950er-Jahren existierte. Die Letschiner Vereinsgeschichte berichtet beispielsweise vom dritten Platz beim Endspiel am 13. September 1953 in Steinfeld in Thüringen. Dort traten die Fußballmannschaften der Dörfer der DDR gegeneinander an.

Die Geschichte des Pokals beginnt also nicht 1960 und trotzdem startet ein neues Kapitel des Sports auf dem Land. 1959 fand eine Zentrale Landsportkonferenz statt. Von ihr ging der Auftrag an die Sportverbände aus, Wettbewerbe zu schaffen, die stärker auf die besonderen Bedingungen des Sports in den Dörfern zugeschnitten waren. Für den Fußball setzte der Deutsche Fußball-Verband der DDR (DFV) diesen Gedanken mit dem Pokalwettbewerb um den „Goldenen Traktor“ nun strukturiert um.

Der Wettbewerb war dabei kein gewöhnlicher Pokal, der jedes Jahr exakt nach demselben Muster ausgetragen wurde. Vielmehr gab es unterschiedliche Ebenen und Phasen. In den jeweiligen Jahren wurden Kreis- und Bezirkswettbewerbe ausgetragen; bei den Zentralen Landsportfesten wurde zusätzlich der Sieger auf Republiksebene ausgespielt. Die Fußballwoche formulierte es 1965 so: Jeweils zu den Zentralen Landsportfesten wurde der Republiksieger ermittelt, in den übrigen Jahren die Kreis- und Bezirksgewinner.

Das erklärt auch, warum sich heute in Vereinschroniken aus Thüringen, Mecklenburg, Brandenburg oder Sachsen zahlreiche „Goldene Traktoren“ finden, ohne dass es sich dabei zwangsläufig um den DDR-weiten Sieger handelte. Der Wettbewerb war auf mehreren Ebenen präsent. Und er war ausgesprochen populär.

Tausende Gemeinschaften auf dem Weg zum Pokal

Wie groß der Wettbewerb tatsächlich war, lässt sich an den Zahlen ablesen, die Wolfgang Schilhane 1965 veröffentlichte. Für 1960 werden 1.088 teilnehmende Gemeinschaften genannt. 1962 waren es bereits 2.055. Und im Jahr 1964 hatte sich die Zahl auf 3.500 Gemeinschaften erhöht. Damit war der „Goldene Traktor“ kein exotischer Dorfpokal. Er entwickelte sich zu einem breit angelegten Wettbewerb des ländlichen Fußballs.

Der „Goldene Traktor“ wurde als Wettbewerb für ländliche Gemeinden über Kreis- und Bezirkspokal bis zum Republikpokal ausgetragen. Das erklärt die besondere Stellung des Wettbewerbs. Ein kleiner Verein konnte auf Kreisebene beginnen und sich – zumindest in den entsprechenden Jahren – bis zur zentralen Endrunde vorkämpfen. Genau das war der Reiz.

Dass dabei durchaus Mannschaften mit beachtlichem sportlichem Niveau entstanden, zeigt die Liste der Vereine, die die Fußballwoche 1965 als Beispiele nennt. Dazu gehörten unter anderem Traktor Dorf Mecklenburg, Traktor Teuchern, Traktor Osterfeld, Traktor Obermaßfeld, Traktor Klötze, TSG Herzfelde, Traktor Breitenbach1, Traktor Carlow und Traktor Penzlin. Sie spielten damals bereits in der Bezirksliga, der dritthöchsten Spielklasse des DDR-Fußballs.

Der „Goldene Traktor“ war also keineswegs nur eine Bühne für Hobbykicker.

Schwerin 1960: Vier Mannschaften kämpfen um den Pokal

Die zentrale Endrunde wurde im Rahmen des 3. Zentralen Landsportfestes in Schwerin ausgetragen.

Der zeitgenössische Zeitungsbericht berichtet von rund 2500 Sportlerinnen und Sportlern, die zu dieser Veranstaltung zusammenkamen. Der „Goldene Traktor“ bildete dabei einen der Höhepunkte des Fußballprogramms.

Vier Mannschaften hatten sich für die Endrunde qualifiziert:

  • BSG Traktor Obermaßfeld – Bezirk Suhl
  • BSG Traktor Herzberg – Bezirk Cottbus
  • BSG Traktor Lenzen – Bezirk Schwerin
  • BSG Traktor Rebesgrün – Bezirk Karl-Marx-Stadt

Vier Mannschaften, vier Bezirke – und ein Pokal.

Für Thüringen war Obermaßfeld dabei mehr als nur ein Teilnehmer. Die Mannschaft spielte zu dieser Zeit auf Bezirksebene und gehörte damit zu den leistungsstärkeren Vertretern des Landsports. Dass sie aus einem kleinen Ort mit ungefähr 1400 Einwohnern kam, machte den Auftritt in Schwerin umso bemerkenswerter.

Ein Spiel für die Fußballgeschichte: 1:4 – und dann 7:4

Das Halbfinale gegen Traktor Rebesgrün begann für Obermaßfeld vielversprechend. Die Thüringer gingen mit 1:0 in Führung. Doch danach geriet das Spiel völlig außer Kontrolle. Rebesgrün drehte die Partie und erhöhte auf 4:1. 22 Minuten vor dem Ende schien Obermaßfeld geschlagen.

Was dann folgte, beschreibt ein zeitgenössische Reporter als einen bemerkenswerten Sturmlauf. Obermaßfeld verkürzte zunächst. Danach wurde aus der scheinbar sicheren Führung der Sachsen ein offener Kampf. Die Thüringer Mannschaft gab sich nicht geschlagen und erzwang schließlich die Verlängerung. Dort drehte Obermaßfeld das Spiel endgültig. Vier weitere Treffer sorgten für einen Endstand, der heute wie aus einem Fußballmärchen klingt: Traktor Obermaßfeld – Traktor Rebesgrün 7:4 nach Verlängerung. Aus 1:4 wurde 7:4 und Obermaßfeld stand im Finale.

Der zeitgenössische Zeitungsbericht bezeichnete diesen Sieg als Ausdruck eines außergewöhnlichen Siegeswillens. Und genau dieser Wille sollte wenige Stunden später noch einmal gefragt sein.

Herzberg gewinnt das zweite Halbfinale

Im zweiten Halbfinale trafen Traktor Herzberg aus dem Bezirk Cottbus und Traktor Lenzen aus dem Bezirk Schwerin aufeinander. Herzberg setzte sich mit 2:1 durch. Damit stand die Finalpaarung fest: Traktor Obermaßfeld gegen Traktor Herzberg.

Die Mannschaft aus dem Bezirk Suhl hatte gerade eine Partie gedreht, die eigentlich verloren schien. Herzberg hatte sich gegen Lenzen durchgesetzt. Nun ging es um den Pokal.

Das Finale: Drei Tore von van Hove

Das Endspiel in Schwerin begann zunächst ohne Treffer. Nach 45 Minuten stand es 0:0. Doch der zeitgenössische Bericht macht deutlich, dass Obermaßfeld das Spiel bestimmte. Die Thüringer hatten die größere Feldüberlegenheit und kamen immer wieder gefährlich vor das Herzberger Tor.

In der 60. Minute war es schließlich so weit. Van Hove erzielte das 1:0. Nur fünf Minuten später schlug derselbe Spieler erneut zu. 65. Minute: 2:0 für Obermaßfeld. Herzberg versuchte noch einmal, zurück ins Spiel zu kommen. Doch die Thüringer ließen sich den Vorsprung nicht mehr nehmen. In der Schlussminute machte van Hove seinen persönlichen Dreierpack perfekt. 90. Minute: 3:02. Der „Goldene Traktor“ auf Ebene der DDR war gewonnen.

Das Turnier in Schwerin endete mit folgender Reihenfolge:

  1. Traktor Obermaßfeld Suhl
  2. Traktor Herzberg Cottbus
  3. Traktor Lenzen Schwerin
  4. Traktor Rebesgrün Karl-Marx-Stadt

Das Spiel um Platz drei gewann Lenzen gegen Rebesgrün mit 3:2.

Für Obermaßfeld war es der größte Erfolg der Vereinsgeschichte. Und für Thüringen war es ein bemerkenswerter Sieg in einem Wettbewerb, der immerhin die besten Fußballmannschaften des organisierten Landsports zusammenführte.

Die Mannschaft von Obermaßfeld

Der historische Zeitungsbericht hat nicht nur die Ergebnisse überliefert. Er nennt auch die Mannschaft, die den Pokal gewann. Für Obermaßfeld spielten: Schuch – Heintze, Henkel, Köhler – Boxberger, Weyh – Nagel, Horst Walter, Pohlandt, Helmuth Walter, van Hove.

Besonders herausragend war natürlich der Finaltorschütze, der alle drei Treffer im Endspiel erzielte.

Thüringen mischt vorne mit

Der Obermaßfelder Erfolg blieb nicht ohne Nachfolger. Besonders auffällig war in den folgenden Jahren der Bezirk Suhl.

1962 erreichte Traktor Sachsenbrunn aus dem Bezirk Suhl das zentrale Endspiel. Dort unterlag die Mannschaft Traktor Havelberg mit 3:4 nach Verlängerung.

1964 stand mit Traktor Lengenfeld erneut eine Mannschaft aus dem Bezirk Suhl im Endspiel. Diesmal gewann Traktor Lenzen.

Innerhalb von nur fünf Jahren hatte der Bezirk Suhl damit: einen DDR-Sieger, zwei weitere Endspielteilnahmen vorzuweisen. Das ist für einen einzelnen Bezirk eine bemerkenswerte Bilanz.

Auch auf regionaler Ebene verschwand der „Goldene Traktor“ in Thüringen nicht nach dem großen Erfolg von 1960. Die Chronik des heutigen SC 1921 Obermaßfeld dokumentiert weitere Erfolge auf Bezirksebene. Dort werden Kaltenwestheim 1967, Obermaßfeld 1970 und Wasungen 1972 als Sieger des Traktor-Pokals im Bezirk genannt. Damit blieb der Wettbewerb gerade im Süden Thüringens über Jahre Bestandteil der Fußballkultur.

Auch im Bezirk Erfurt wird um den „Goldenen Traktor“ gespielt

Auch der damalige Bezirk Erfurt brachte erfolgreiche Traktor-Mannschaften hervor. Ein Beispiel ist Traktor Mechterstädt. Für den Verein sind Bezirkspokalsiege im Wettbewerb „Goldener Traktor“ für 1964 und 1966 überliefert. 1964 gewann Mechterstädt gegen Bad Tennstedt mit 1:0, zwei Jahre später setzte sich die Mannschaft gegen Crawinkel mit 2:1 durch.

Der Wettbewerb war damit auch im Norden und Westen des heutigen Thüringen fest im Vereinsfußball verankert. Weitere Vereinschroniken dokumentieren Erfolge auf Kreis- und Bezirksebene. Die SG Leimbach beispielsweise führt mehrere Siege im „Goldenen Traktor“ aus den 1960er-Jahren auf.

Und der Bezirk Gera? Dort ist die Rekonstruktion schwieriger. Das bedeutet nicht, dass der Wettbewerb dort keine Rolle gespielt hätte. Im Gegenteil: Die Struktur des DDR-Landsports umfasste selbstverständlich auch den Bezirk Gera. Das Problem liegt in der Überlieferung. Während sich für Suhl und Erfurt mehrere Vereinschroniken mit konkreten Ergebnissen finden lassen, ist eine belegte Liste der Geraer Kreis- und Bezirkssieger derzeit nicht aus den zugänglichen Quellen zu rekonstruieren.

Der Pokal wandert durch die DDR

Nach Obermaßfeld ging der Pokal weiter durch die Republik. 1961 gewann Traktor Wittenburg den Wettbewerb auf DDR-Ebene. Der Verein bezeichnet diesen Erfolg bis heute als den größten Triumph seiner Geschichte. 1962 gewann Traktor Havelberg. 1964 ging der Titel an Traktor Lenzen. Und 1969 wurde Traktor Dorf Mecklenburg DDR-Sieger. Die Mannschaft gewann die Endrunde im Rahmen des V. Deutschen Turn- und Sportfestes in Leipzig. Der Erfolg von Dorf Mecklenburg ist besonders bemerkenswert. Der Verein dokumentiert insgesamt zahlreiche Siege im Wettbewerb und bezeichnet den DDR-Sieg von 1969 als Höhepunkt seiner damaligen Vereinsgeschichte.

Damit wird auch deutlich, dass der „Goldene Traktor“ für manche Vereine über Jahre ein wichtiger Bestandteil ihrer sportlichen Identität war.

Ein Wettbewerb, der sich veränderte

Die Geschichte des „Goldenen Traktors“ lässt sich allerdings nicht als gerade Linie von 1953 bis 1989 erzählen.

Es gab frühe Wettbewerbe in den 1950er-Jahren, eine strukturierte Aufnahme 1960 und anschließend unterschiedliche Formen der Austragung. So wurde beispielsweise 1965 ausdrücklich bekanntgegeben, dass die Bezirksausscheidungsspiele um den Pokal in diesem Jahr nicht durchgeführt würden.

Der Wettbewerb konnte also nicht jedes Jahr nach demselben Schema funktioniert haben. Auf der anderen Seite belegen Vereinschroniken, dass der „Goldene Traktor“ auch später noch auf Kreis- und Bezirksebene ausgetragen wurde. Der Wittenburger Sportverein berichtet beispielsweise von weiteren Erfolgen in den 1980er-Jahren.

Die pauschale Aussage von Wikipedia, es habe von 1951 beziehungsweise 1960 bis 1989 jedes Jahr einen identischen DDR-Pokal gegeben, wird der tatsächlichen Geschichte deshalb nicht gerecht bzw. lässt sich in dieser pauschalen Form nicht belegen.

Das Märchen von Obermaßfeld

Warum lohnt es sich überhaupt, heute noch über den „Goldenen Traktor“ zu erzählen? Weil dieser Wettbewerb eine Seite des DDR-Fußballs sichtbar macht, die in der Erinnerung leicht untergeht. Die Geschichte des DDR-Fußballs wird meist mit den großen Vereinen verbunden: Dynamo Dresden, 1. FC Magdeburg, Carl Zeiss Jena, Lok Leipzig, Hansa Rostock oder BFC Dynamo. Doch hinter dieser Welt existierte ein riesiges Netz von Fußballvereinen auf dem Land. Dort spielten Menschen, deren Namen nie in den großen Fußballstatistiken auftauchten. Sie trainierten auf Sportplätzen in kleinen Orten und traten am Wochenende gegen Nachbardörfer an. Der „Goldene Traktor“ gab ihnen die Möglichkeit, über diese lokale Welt hinauszukommen.

Ein Dorfverein konnte Kreissieger werden. Dann Bezirkssieger. Und sogar die zentrale Endrunde erreichen.

Vielleicht ist deshalb der eigentliche Wert dieser Geschichte nicht einmal der Pokal selbst. Es ist die Geschichte einer Mannschaft. Sie liegt im Halbfinale gegen Rebesgrün mit 1:4 hinten. 22 Minuten vor dem Ende scheint alles entschieden. Doch Obermaßfeld gibt nicht auf. Aus 1:4 wird 7:4. Im Finale wartet Herzberg. 45 Minuten lang fällt kein Tor. Dann trifft van Hove. Noch einmal van Hove. Und schließlich – in der 90. Minute – ein drittes Mal. 3:0.

Der „Goldene Traktor“ geht nach Obermaßfeld. In ein Dorf im damaligen Bezirk Suhl. Eine Mannschaft aus rund 1400 Einwohnern steht damit an der Spitze des DDR-Landsports.

Es ist eine kleine Geschichte im großen DDR-Fußball. Aber vielleicht gerade deshalb eine besonders schöne.

Wenn heute von den großen Erfolgen des Thüringer Fußballs gesprochen wird, denkt man naturgemäß an die Meisterschaften und Pokalsiege von Jena, Erfurt oder anderen höherklassigen Vereinen. Doch der Thüringer Fußball hat noch viele andere Geschichten.

Eine davon begann genau vor 66 Jahren – nämlich 1960 – bei der BSG Traktor Obermaßfeld. Dort gewann eine Mannschaft, die aus einem kleinen Dorf kam, einen Wettbewerb, an dem zahlreiche Landsportgemeinschaften aus der gesamten DDR beteiligt waren. Ein Pokal für die Fußballer vom Land. Und für einen Sommer lang gehörte er Thüringen.


  1. Am 5. Juli 1967 wurde das komplette Bezirksligakollektiv (die Fußballabteilung) der BSG Traktor Breitenbach an die BSG Fortschritt Leinefelde angeschlossen. ↩︎
  2. Über das Ergebnis gint es unterschiedliche Berichte. Der VfB Herzberg beschreibt in seiner Chronik eine 0:2 Niederlage. Doch ein Orginalbericht berichtet von drei Treffern und damit einem lupenreinen Hattrick. ↩︎

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100 Orte der Erinnerung.
216 Seiten mit 147 Farbfotos
ISBN: 978-3-96423-062-1

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