Mit Blitzstart ins Pokalfinale

Ein Halbfinale, das lange offen schien, kippte innerhalb von gut zwanzig Minuten endgültig zugunsten der Royale Union Saint-Gilloise. Mit einem verdienten 4:1-Heimsieg im Rückspiel des Croky-Cup-Halbfinals schickte Union Sporting Charleroi nach Hause und löste nach dem 0:0 im Hinspiel das Ticket für das Finale im König-Baudouin-Stadion. Der Endstand fiel deutlich aus – der Spielverlauf war es vor allem in der zweiten Halbzeit.

Ein Start wie ein Donnerschlag

Das Rückspiel war kaum angepfiffen, da stand das Stadion bereits Kopf. Nach nicht einmal zwölf Sekunden nutzte Promise David eine Unaufmerksamkeit in der Charleroi-Defensive und brachte Union mit dem 1:0 in Führung. Ein Blitzstart, der sinnbildlich für den Mut und die Entschlossenheit der Gastgeber stand. Doch Charleroi zeigte sofort Charakter. Bereits in der 3. Minute schlug Aurélien Scheidler zurück. Nach einer Aktion über links und etwas Glück im Strafraum drückte der Angreifer den Ball zum 1:1-Ausgleich über die Linie. Das frühe Tor gab den Gästen Hoffnung – und sorgte für eine wilde Anfangsphase.

Union kontrolliert, Charleroi kämpft

Nach dem furiosen Beginn beruhigte sich die Partie. Union übernahm zunehmend die Kontrolle, ließ den Ball laufen und drückte Charleroi in die eigene Hälfte. Die Gäste verteidigten kompakt, setzten auf Umschaltmomente und hielten das Spiel offen. Bis zur Pause blieb es beim 1:1, auch weil Union mehrere gute Möglichkeiten ungenutzt ließ – darunter ein gefährlicher Abschluss von Christian Burgess, der nur knapp sein Ziel verfehlte.

Das 2:1 als Dosenöffner

Nach dem Seitenwechsel erhöhte Union das Tempo. Der Druck wurde größer, die Abstände der Torchancen enger – und Charleroi geriet zunehmend ins Schwimmen. In der 51. Minute fiel schließlich der entscheidende Treffer: Mohammed Fuseini, der nach schwierigen Wochen wieder von Beginn an spielte, vollendete einen schnellen Angriff eiskalt zum 2:1. Dieses Tor veränderte die Statik des Spiels grundlegend. Charleroi war nun gezwungen, höher zu stehen und mehr Risiko zu nehmen – genau in jene Räume hinein, in denen Union seine größte Stärke hat.

Rote Karte als Wendepunkt

Nur rund zwanzig Minuten nach dem Führungstreffer folgte der nächste Rückschlag für die Gäste. Yacine Titraoui sah nach einem harten Einsteigen seine zweite Gelbe Karte – Gelb-Rot in der 71. Minute. Die Unterzahl kam für Charleroi zum denkbar ungünstigsten Zeitpunkt. Die Proteste waren heftig, die Emotionen kochten hoch. Kevin Van den Kerkhof erklärte später:

„À un moment, on a l’impression de se faire voler.“
(„Irgendwann hat man das Gefühl, dass man bestohlen wird.“)

Zur Wahrheit gehört aber auch, dass Titraoui seine erste Gelbe Karte durch das Blockieren eines Freistoßes „erarbeitete“, was wohl der eigentliche Grund für den Ärger der Gästemannschaft darstellen dürfte. Ob berechtigt oder nicht – faktisch war das Spiel mit zehn Mann gegen eine selbstbewusste Union kaum noch zu halten.

Union nutzt Überzahl gnadenlos

Mit einem Mann mehr spielte Union die Partie nun souverän herunter – und schlug eiskalt zu. In der 83. Minute köpfte Ross Sykes nach einer Standardsituation zum 3:1 ein. Charleroi war endgültig gebrochen. In der Nachspielzeit setzte Raul Florucz den Schlusspunkt. Nach einem weiteren schnellen Angriff traf er zum 4:1 und machte aus einem umkämpften Halbfinale ein deutliches Resultat.

Ein Sieg der Reife

Der Erfolg der Union war nicht nur das Resultat individueller Qualität, sondern vor allem Ausdruck von Reife. Nach dem frühen Ausgleich blieb das Team ruhig, erhöhte nach der Pause konsequent den Druck und nutzte die numerische Überlegenheit kompromisslos aus. Charleroi „spielte mit seinen Waffen“, wie es in Belgien hieß – doch am Ende war Union schlicht zu stark, zu strukturiert und zu effizient.

Der peinliche Höhepunkt

Trotz des klaren Ergebnisses und der großartigen Stimmung während der 90 Minuten kam es am Ende zu einem unschönen Szenario: Feuerwerkskörper wurden aus dem Gästeblock auf das Spielfeld geworfen und in Richtung der Tribüne Est abgefeuert, nachdem der Schlusspfiff ertönte – ein Verhalten, das für viele Zuschauer und auch für Spieler unberechenbar und gefährlich wirkte.

Ein Video von nieuwsblad.be zeigt deutlich, das es dabei nicht nur zu Materialschäden, sondern auch zu Situationen kam, in denen Zuschauer auf der Tribüne getroffen wurden. Es wurde mehrfach Feuerwerk in den Block und auf das Spielfeld geschossen. Die Ereignisse nach dem Abpfiff werfen Fragen auf – über Verantwortungsbewusstsein und Fanverhalten uin einem Stadion, das eigentlich ein Ort der Freude, Gemeinschaft und des Sports sein sollte.

Der Blick nach vorn

Sportlich war der Abend ein großer Erfolg für Union Saint-Gilloise: Mit einer energischen zweiten Halbzeit, einer robusten Defensivleistung und einer konzentrierten Chancenverwertung sicherte sich der Titelaspirant sein Ticket für den Pokalfinale im Heysel und bleibt weiter auf Kurs für den Double-Traum – Meisterschaft und Cup.

Statistik

Union : Chambaere, Mac Allister (89’ Leysen), Burgess, Sykes, Khalaili, Zorgane, Van de Perre, Ait El Hadj (80’ Schoofs), Smith (80’’ Patris), Fuseini (74’ Biondic), David (89’ Florucz)

Charleroi : Delavallée, Van Den Kerkhof, Ousou, Keita, Nzita, A. Boukamir (71’ Romsaas), Titraoui, Bernier (59’ Blum), Pflücke (71’ Szymczak), Guiagon, Scheidler

Tore : 1’ David 1-0, 3’ Scheidler 1-1, 50’ Fuseini 2-1, 84’ Sykes 3-1, 90’ Florucz 4-1

Gelbe Karten: 19’ Mac Allister, 27’ Titraoui, 57’ A. Boukamir, 80’ Blum, 90’ Khalaili

Rote Karten : 72’ Titraoui (2x gelb)

Schiedsrichter : Jasper Vergoote

Zuschauer : 9.000

Quellenliste

https://www.nieuwsblad.be/sport/voetbal/union-mag-blijven-dromen-van-de-dubbel-landskampioen-klopt-verdiend-charleroi-en-staat-in-finale-van-de-beker/130946079.html

https://www.walfoot.be/news/2026-02-11/charleroi-a-joue-avec-ses-armes-mais-etait-trop-court–lunion-retrouvera-bien-le-heysel

https://www.walfoot.be/news/2026-02-11/burgess-avait-un-uf-a-peler-avec-scheidler-fuseini-insaisissable–les-notes-de-lunion-contre-charleroi

https://www.walfoot.be/news/2026-02-12/scheidler-meritant-nzita-a-lassist-malgre-lui–les-notes-de-charleroi-contre-lunion

https://www.walfoot.be/news/2026-02-12/on-a-limpression-de-se-faire-voler–kevin-van-dan-kerkhof-furieux-contre-larbitrage

https://sporza.be/nl/matches/voetbal/croky-cup/2025-2026/halve-finale/02/union-charleroi-union-mag-weer-naar-de-heizel-dankzij-blitzstart-en-efficiente-tweede-helft-tegen-charleroi~1757683866889/

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