Im Vorfeld des Champions-League-Spiels zwischen dem FC Bayern München und Royale Union Saint-Gilloise am 21. Januar ab 21 Uhr wird weniger über Aufstellungen, Formkurven oder taktische Details diskutiert als über ein Thema, das den Kern der Fankultur berührt: den Ausschluss der Südkurve und damit tausender Bayern-Fans aus der Allianz Arena. Das Heimspiel, das sportlich eigentlich als Pflichtaufgabe gelten würde, ist längst zu einem Symbolspiel für den Umgang mit aktiver Fanszene, Pyrotechnik und UEFA-Sanktionspraxis geworden.
Verein sperrt Südkurve
Auslöser der aktuellen Situation waren erneut Pyrotechnik-Aktionen von Bayern-Fans bei einem vorherigen Champions-League-Heimspiel. Bengalos, Rauch und optisch eindrucksvolle Bilder sorgten zwar für Stimmung, blieben aber – wie so oft – nicht ohne Konsequenzen. Die UEFA reagierte mit einer Geldstrafe und ordnete zusätzlich die Sperrung mehrerer Blöcke der Südkurve für das folgende Heimspiel an. Was zunächst nach einer gezielten Sanktion klang, entwickelte sich durch die baulichen und organisatorischen Gegebenheiten der Allianz Arena zu einem Komplettausschluss des Unterrangs der Südkurve. Da die Tickets dort nicht blockgenau kontrolliert werden können, entschied sich der FC Bayern letztlich dafür, sämtliche Karten für diesen Bereich zu annullieren. Die Folge: ein Heimspiel ohne das lautstarke Herz des Stadions.
Kalkuliertes Risiko
In den Tagen danach entbrannte eine intensive Debatte unter Fans, in Kommentarspalten, Foren und sozialen Netzwerken. Ein häufig geäußerter Vorwurf lautet, dass Teile der aktiven Szene diese Konsequenzen bewusst in Kauf genommen hätten. Immer wieder ist zu lesen, dass Pyrotechnik trotz jahrelanger Warnungen, bekannter UEFA-Linien und zahlreicher vorangegangener Strafen gezündet worden sei – mit dem Wissen, dass irgendwann eine harte Reaktion folgen würde. In diesem Narrativ wird der Fanausschluss nicht als Unfall, sondern als kalkuliertes Risiko gesehen. Kommentare wie „Wer Pyro zündet, weiß, was passiert“ oder „Die Szene wollte ein Zeichen setzen, egal wer dafür zahlt“ tauchen immer wieder auf.
Kritik an Kollektivstrafen
Dem gegenüber stehen Stimmen, die diese Sichtweise entschieden zurückweisen. Viele Fans kritisieren vor allem die Kollektivstrafe, die auch all jene trifft, die weder Pyrotechnik befürworten noch daran beteiligt waren. In Kommentaren ist von einer „Bestrafung der Falschen“ die Rede, von Familien, Dauerkartenbesitzern und langjährigen Kurvengängern, die nun für Aktionen einiger weniger büßen müssten. Auch der FC Bayern selbst gerät dabei in die Kritik. Einige Fans werfen dem Verein vor, sich zu schnell der UEFA-Logik zu unterwerfen, andere sehen strukturelle Versäumnisse im Umgang mit der aktiven Szene und der Ticketorganisation.
Parallel dazu richtet sich der Ärger vieler Kommentatoren gegen die UEFA. Der europäische Verband gilt in Fankreisen seit Jahren als kompromisslos und realitätsfern, wenn es um Fankultur geht. Pyrotechnik wird pauschal als Sicherheitsrisiko behandelt, unabhängig davon, ob es zu konkreten Zwischenfällen kommt oder nicht. In der aktuellen Diskussion wird daher nicht nur über Bayern gesprochen, sondern über ein grundsätzliches Problem des modernen Fußballs: emotionale, lautstarke Unterstützung auf der einen Seite, sterile Sicherheitsvorgaben und harte Sanktionen auf der anderen.
All diese Themen überlagern nun das Sportliche. Dabei steht für den FC Bayern ein wichtiges Champions-League-Spiel an, das ohne die gewohnte Unterstützung von der Südkurve ausgetragen werden muss. Eine Allianz Arena ohne organisierten Support, ohne große Choreografien und ohne den konstanten Lärmpegel, der sonst Gegner einschüchtert, ist ein ungewohntes Bild. Gerade in europäischen Nächten galt die Südkurve stets als zusätzlicher Faktor – als „zwölfter Mann“, der Spiele kippen kann. Ob und wie sich das Fehlen dieser Atmosphäre bemerkbar machen wird, ist offen.
Für Royale Union Saint-Gilloise eröffnet sich dadurch zumindest psychologisch eine besondere Situation. Ein Auswärtsspiel in München verliert ohne volle Südkurve ein Stück seines Schreckens. Gleichzeitig wird die Partie zu einem Prüfstein dafür, wie sehr sich der moderne Spitzenfußball bereits von seiner Basis entfernt hat. Viele Fans werden das Spiel nicht im Stadion, sondern vor Bildschirmen, in Kneipen oder bei Protestaktionen verfolgen – und genau dort wird die Debatte weitergehen.
Das Spiel am 21. Januar ist damit weit mehr als ein weiterer Champions-League-Abend. Es ist ein Spiegel der aktuellen Spannungen zwischen Fans, Vereinen und Verbänden. Ob der Ausschluss der Südkurve als notwendige Konsequenz, als bewusst provozierte Eskalation oder als unverhältnismäßige Kollektivstrafe in Erinnerung bleiben wird, hängt auch davon ab, wie der Abend verläuft. Sicher ist nur: Die Diskussion um Pyrotechnik, Verantwortung und Fankultur wird mit dem Anpfiff nicht enden.
Quellen
- https://www.upday.com/de/sport/bayern-sperrt-komplette-suedkurve-fast-10000-fans-betroffen
- https://www.sport.de/news/ne16318588/uefa-strafe-fc-bayern-suedkurve-gesperrt/
- https://www.ligaportal.at/international/champions-league/87082-suedkurve-gesperrt-bayern-gegen-st-gilloise-vor-leeren-raengen/
- https://www.reddit.com/r/soccer/
- https://sport.sky.de/fussball/fc-bayern-vs-union-saint-gilloise