Ein Kommentar: Österreich fördert Qualitätsjournalismus. Rund 20 Millionen Euro stehen dafür jährlich zur Verfügung. Das Ziel klingt vernünftig: Medienvielfalt stärken, professionellen Journalismus ermöglichen, den demokratischen Diskurs sichern. Über die Vergabe entscheidet die KommAustria nach Befassung eines Fachbeirats.
Und dann gibt es den ballesterer.
Ein unabhängiges Fußballmagazin, das seit Jahren zeigt, dass Sportjournalismus weit mehr sein kann als Ergebnis, Tabelle und Transfergerücht. Der ballesterer recherchiert, ordnet ein, lässt Menschen zu Wort kommen und beschäftigt Journalistinnen und Journalisten. Er bildet Nachwuchs aus und finanziert seine Reichweite nicht über die Algorithmen. Kurz: Er macht genau den Journalismus, dessen Vielfalt das österreichische Fördergesetz eigentlich stärken will.
2026 beantragte der ballesterer die Förderung. Unterlagen wurden eingereicht, Zeit und Geld investiert. Am Ende: null Euro.
Nicht, weil die KommAustria die journalistische Qualität des ballesterer beanstandet hätte. Sondern weil die Behörde das Magazin aufgrund seiner Bilanz als „Unternehmen in Schwierigkeiten“ einstuft. Ein beihilfenrechtliches Kriterium, das offenbar schwerer wiegt als das, was dieses Förderprogramm eigentlich fördern soll: unabhängigen Qualitätsjournalismus.
Das mag formal vielleicht erklärbar sein. Medienpolitisch ist es trotzdem absurd.
Denn wenn ein kleines, unabhängiges Magazin an seiner wirtschaftlichen Vergangenheit scheitert, während große Medienhäuser einen erheblichen Teil des Fördertopfes erhalten, dann stellt sich eine einfache Frage: Fördert Österreich wirklich Qualitätsjournalismus – oder vor allem jene Medienstrukturen, die wirtschaftlich ohnehin stark genug sind?
Wir machen Qualitätsjournalismus. Wir bekommen keine Förderung dafür. Wir sind wütend.
Der ballesterer braucht keine staatliche Qualitätsplakette. Aber er verdient faire Bedingungen. Gerade weil er unabhängig ist. Gerade weil er nicht zu einem Konzern, einer Partei, einer Bank oder einer Kirche gehört. Unabhängiger Qualitätsjournalismus muss doch gerade dann möglich sein, auch wenn er wirtschaftlich unter Druck steht.
Und deshalb geht dieser Text auch an uns Fußballfans.
Denn unabhängiger Fußballjournalismus lebt nicht nur von Förderungen. Er lebt von Menschen, die ihn lesen, unterstützen und möglich machen. Der ballesterer hat keine Millionäre im Hintergrund. Aber er hat euch. Die Fußballfans, die zeigen können, was ihnen unabhängiger Fußballjournalismus wert ist.
Und wenn ihr jetzt auch brennhaaß seid, dann lasst es nicht bei einem „Das kann doch nicht sein“.
Fördert den ballesterer. Abonniert ihn. Spendet. Werdet Supporter.
Denn wenn ihr wollt, dass es auch morgen noch unabhängigen Fußballjournalismus gibt, müsst ihr heute dafür sorgen, dass er existieren kann,
glaubt Euer Paparazzo Orange.
Links/Quellen
- ballesterer
https://ballesterer.at/2026/08/04/ballesterer-brennhaass/ - RTR Medien – Qualitäts-Journalismus-Förderung 2026
Informationen zur Förderung, zum Fördervolumen und zu den Entscheidungen 2026:
https://www.rtr.at/medien/presse/pressemitteilungen/Presseinformationen_2026/PI07222026KOA_QJF2026.html - RTR Medien – Richtlinien für die Qualitäts-Journalismus-Förderung 2026
Hier findet sich unter anderem die Voraussetzung, dass Förderwerber kein „Unternehmen in Schwierigkeiten“ im Sinne des EU-Beihilfenrechts sein dürfen:
https://www.rtr.at/medien/was_wir_tun/foerderungen/qualitaetsjournalismus/richtlinien/veroeffentlichungen/richtlinien2026.de.html - RTR Medien – Übersicht der Qualitäts-Journalismus-Förderungsrichtlinien
Überblick über die verschiedenen Förderperioden und Richtlinien:
https://www.rtr.at/medien/was_wir_tun/foerderungen/qualitaetsjournalismus/richtlinien/startseite.de.html - RTR Medien – Förderentscheidungen 2026
Offizielle Datenbank mit den Bewilligungen und Ablehnungen der Qualitäts-Journalismus-Förderung 2026:
https://data.rtr.at/pages/open-data/mf-qjf