Die Gesellschaft gesteht den Vereinen steuerliche Privilegien zu, weil sie wichtige gesellschaftliche Aufgaben übernehmen, die ansonsten vom Staat übernommen werden müssen. Doch wenn wesentlich Aspekte des Vereinsrechts ignoriert, wenn Beschlüsse des obersten BSG-Gremiums nicht umgesetzt werden, dann verwirkt ein Verein dieses Recht. Weder das Erreichen unternehmerischer Ziele oder die persönliche Profilierung sind Aufgaben eines gemeinnützigen Vereins. Allein das Gemeinwohl bzw. dessen Förderung sollten im Mittelpunkt stehen. Die aktuelle Vereinspolitik der BSG steht im Widerspruch zu den demokratischen Grundsätzen des Vereinsrechts. In der Zwischenzeit hat die aktuelle Vereinsspitze jedes Recht verwirkt, den langjährigen Präsidenten zu kritisieren. Unabgestimmte Einzelgänge, das Ignorieren des Mitgliederwillens sowie die Missachtung der personellen Entscheidungen der Mitgliederversammlung – das ist die BSG Wismut Gera im Jahr 2020. Zwangsläufig bleibt nur die Möglichkeit der Kündigung der Vereinsmitgliedschaft. Die Begründung gebe ich hier wieder.

Betr.: Missachtung der Beschlüsse | Kündigung der Mitgliedschaft

Glück auf,

unabgestimmte Einzelgänge und damit das Ignorieren des Mitgliederwillens waren die Vorwürfe in Richtung des Präsidenten Volker Fiedler. Zusätzlich wurde dem Präsidenten vorgeworfen, dass man seinen Aussagen nicht trauen kann. In Anbetracht der aktuellen Situation im Verein sind die Vorwürfe gegenüber dem langjährigen Präsidenten abenteuerlich. Die Vereinsspitze ignoriert die Beschlüsse der Mitglieder, der Vorsitzende macht kontinuierlich unabgestimmte Alleingänge in der Öffentlichkeit und die zahlenden Mitglieder werden über personelle Änderungen nicht informiert. Die Gründe sind offensichtlich. Schon die wohl einmalige Situation um den Schatzmeister ist gleichbedeutend mit einer schallenden Ohrfeige für die Personalpolitik des Vorsitzenden Frank Neuhaus und seines Schattenministers Hans-Joachim Seidel. Da die Vereinsspitze offensichtlich alle demokratischen Grundsätze über Bord geworfen hat, ist es Zeit geworden, die Mitgliedschaft zu kündigen. Allerdings will ich die Gründe erklären.

Wo ist der Schatzmeister?

Es waren Frank Neuhaus und Hans-Joachim Seidel, die sich für Jens Kriester als Schatzmeister stark machten. Dass in dessen Amtszeit die größte Krise der BSG seit der Neugründung fiel, wurde gern ignoriert. Man hatte ja mit Präsident Volker Fiedler jemand gefunden, den man die alleinige Verantwortung für die wirtschaftlichen Schwierigkeiten zuweisen wollte, obwohl Neuhaus seit sechs Jahren im Vorstand der BSG sitzt. Kriester fand im 3. Wahlgang der Vorstandswahl 2019 nur unter fragwürdigen Bedingungen und Seidels rechtswidriger Einflussnahme eine knappe Mehrheit. Dass sich die schlimmsten Befürchtungen der BSG-Mitglieder bewahrheitet haben und der von Neupräsident Neuhaus zwingend („nur in diesem Team“) geforderte Schatzmeister Jens Kriester aktuell in den Vorstandssitzungen nicht auftaucht, erfahren die Mitglieder der BSG allerdings nicht. Es war offensichtlich, dass Kriester keine Mehrheit und kein Vertrauen im BSG-Umfeld hat. Neuhaus und Seidel war dies egal, die Mitglieder würden nicht verstehen, was Kriester alles leisten würde und überhaupt würde er zukünftig mehr tun, wurde im Rahmen der Wahl zum BSG-Vorstand erklärt.

Schon nach wenigen Wochen stand fest, dass die kritischen Mitglieder mit ihrer Skepsis Recht hatten und das Duo Neuhaus/Seidel wieder einmal völlig falsch lag. Der Vorstand musste seine Arbeit ohne Kriesters Unterstützung aufnehmen. Aber das störte dann offensichtlich wenig. Die Vermutung liegt nah, dass die eigentlichen Ziele erreicht werden konnten. Der Wechsel in der Vereinsführung gelang, da war dann auch das desaströse Wahlergebnis verschmerzbar. Und tatsächlich wird noch heute die Mär von der alleinigen Verantwortung Fiedlers ohne jede Selbstreflektion vorgetragen. Selbst in öffentlichen Interviews mit der Presse – wie in der OTZ vom 8. Juni – redet Neuhaus, als wäre er nicht seit sechs Jahren im Vorstand und hätte nicht maßgeblichen Einfluss auf die Entwicklungen im Verein genommen.

Es braucht allerdings keine umfassende Analyse, um die Versäumnisse von Neuhaus/Kriester zu erkennen. Die aktuelle Stabilisierung der Finanzen hat wenig bis gar nichts mit einer umfassenden Sponsoren-Akquise zu tun. Die Sponsorenliste auf der Internetseite des Vereins ist zwar im Vergleich zum März 2019 unverändert. Doch dies liegt an der fehlenden Pflege. In der Zwischenzeit sind einige der dort aufgeführten Unterstützer verloren gegangen. Auch wenn ständig in geschlossenen Zirkeln erklärt wird, wie viele neue Sponsoren hinzugekommen sind, hat dies mit der aktuellen Realität wenig zu tun. Was vielmehr zutrifft ist, dass auch dank des hartnäckigen Engagements von Andreas Schröder die Ausgaben reduziert werden konnten und bereits gezahlte Beiträge von der Genossenschaft zurückgeholt wurden. Allerdings hätte man durchaus erwarten können, dass ein ambitionierter Schatzmeister bereits in seiner ersten Amtszeit auf diese Idee kommt und dann wäre auch das in der Mitgliederversammlung vorgestellte Minus ausgleichbar und ein Oberliga-Rückzug verzichtbar gewesen.

Wo ist der Aufsichtsrat?

Der designierte Vorsitzende Frank Neuhaus und Hans-Joachim Seidel würfelten im März 2019 nicht nur einen neues Vorstandsteam zusammen, sondern etablierte auch in einer Hauruck-Aktion einen Aufsichtsrat, um Frank Neuhaus an die Vereinsspitze zu bringen. Das unmittelbar nach der Wahl sich das Engagement von Daniel Bielas in Luft auflöste und Frank Kriester am Steg nicht gesehen wurde, erfährt das BSG-Mitglied nicht. Auch die Tatsache, dass der auf Initiative von Neuhaus und Seidel gegründete Aufsichtsrat in der Zwischenzeit implodiert ist, wird dem zahlenden BSG-Mitglied verschwiegen. Wer glaubt, dass der Vorstand sich um Nachbesetzung und Funktionstüchtigkeit des neuen Vereinsgremiums kümmert, sah sich getäuscht.

Bereits am 10. Mai 2019 – also sechs Wochen nach der Mitgliederversammlung – trat Hermann Just, als Aufsichtsratsvorsitzender zurück. Fünf Tage später folgte Benjamin Hilbert, den die BSG auch heute noch – also 14 Monate später – auf der Internetseite und damit gegenüber den Mitgliedern als 2. Vorsitzenden des Aufsichtsrates führt. Die Bedenken der Gegner der Etablierung eines Aufsichtsrates waren offensichtlich zutreffend. Doch diese Stimmen wurden vom Team Neuhaus/Seidel vor der Wahl ignoriert. Die Satzung der BSG mit Vorstand und Gesamtvorstand hätte viele Gestaltungsmöglichkeiten geboten, die eine breite personelle Unterstützung der ehrenamtlichen Arbeit ermöglicht hätte. Doch ein größerer Vorstand war gerade von Neuhaus zu keinem Zeitpunkt gewünscht und in mehreren Mitgliederversammlungen abgelehnt worden.

Was sind demokratische Beschlüsse der Mitgliederversammlung wert?

Keine Gelegenheit wird von der aktuellen Vereinsführung ausgelassen, um auf die fehlende Teilnahme der Mitglieder an der Vorstandssprechstunde hinzuweisen. Aller 14 Tage sollten Mitglieder die Möglichkeit für Fragen nutzen. Die Tatsache, dass wenig Gesprächsbedarf existierte, wurde regelmäßig vom Vorstand kritisiert. Doch dies ist nur die halbe Wahrheit. Vielmehr trifft es eben auch zu, dass Mitgliederhinweise durch die Vereinsspitze konsequent ignoriert wurden. Sowohl das Duo Neuhaus/Schröder als auch die Geschäftsstelle um Wolfgang Teske wurde zweimal auf die neu beschlossene Satzung hingewiesen, die für Mitglieder auf der Internetseite nicht verfügbar war. Die Satzung regelt das Zusammenleben innerhalb des Vereins und ist damit der zentrale Leitfaden. Die Mitgliederversammlung hatte im März 2019 intensiv über den Entwurf des Vorstandes gestritten und konnte sich nur auf die Übernahme der Regelungen zum Aufsichtsrat verständen. Auch 12 Monate nach der Mitgliederversammlung – also zum Zeitpunkt, als sich der von Frank Neuhaus dringend geforderte Aufsichtsrat bereits in Luft aufgelöst hatte- war die Satzung für die Mitglieder immer noch nicht einsehbar. Vielmehr war die alte Version der Satzung auf der Internetseite verfügbar.

Die dritte Erinnerung fruchte dann zwar, zeigte aber auch, wie unwichtig der Vereinsspitze die wichtige Rechtsgrundlage für das Vereinsleben tatsächlich ist. Eine neue Satzung wurde online gestellt. Es war allerdings nicht die von den Mitgliedern beschlossene Satzung, sondern der von Frank Neuhaus in der MV eingebrachte und letztendlich größtenteils durch die Versammlung abgelehnte Entwurf, der nun – 16 Monate nach der MV – auf der Internetseite der Wismut online verfügbar ist.

Es ist wohl anzunehmen, dass auch das Amtsgericht nicht über den tatsächlichen Beschluss der Mitglieder informiert wurde. Dies als einfachen Fehler abtun, würde dem Ausmaß des Wegschauens – trotz mehrfacher Hinweise an das Duo Neuhaus/Schröder – nicht gerecht. Umso mehr, wenn sich der vorherige Präsident Unzuverlässigkeit vorwerfen lassen musste. Die aktuellen Vorgänge um die Satzung sind ein Skandal, weil die Geringschätzung für die Beschlüsse der Mitgliederschaft deutlich wird.

Die Mitglieder haben Maik Wengerodt und Jan Gesenke mit großer Mehrheit gewählt!

Es darf auch nicht vergessen werden, dass Frank Neuhaus und Jens Kriester im Februar 2019 unmittelbar vor der Neuwahl zurücktraten. Während der verbliebene Vorsitzende Fiedler nicht informiert wurde, bekamen Medien und Sponsoren die Nachricht persönlich übermittelt. Der Vorwurf zum damaligen Zeitpunkt war, dass Fiedler ohne Rücksprache mit dem Vorstand eigenmächtig handeln würde. Diese Kritik wirkt in Anbetracht der aktuellen Geschehnisse abenteuerlich.

Während das von Frank Neuhaus vorgeschlagene Vorstandsmitglied Daniel Bielas genauso schnell verschwunden war, wie er plötzlich im Wismut-Umfeld auftauchte; ist der von einigen Fans vorgeschlagene und mit großer Mehrheit gewählte Maik Wengerodt als Sponsorenbeauftragter im Vorstand aktiv. Der selbstständige Kaufmann konnte bei der Wahl deutlich mehr Stimmen als das Führungstrio sammeln. Dies gefiel nicht jedem, gehört aber natürlich zu einem demokratischen Vereinsleben. Es war also erklärter Wille der Mitglieder, dass sich Maik Wengerodt um die Betreuung der Sponsoren kümmert. Doch in der Praxis wird genau dieses Mitgliedervotum ignoriert. Am 2. Juli war es wieder Hans-Joachim Seidel, der das Sponsorentreffen gemeinsam mit Neuhaus/Schröder organsierte. Die verantwortliche Maik Wengerodt erfuhr von dem Treffen nichts, daher war seine Anwesenheit auch nicht möglich. Weder Inhalt noch Versand der Einladung entsprachen professionellen Ansprüchen: Die Einladung erfolgte nicht über den Wismut-Account, sondern über eine private E-Mail-Adresse und zusätzlich als Nachricht via WhatsApp. Letztere war voller Rechtschreibfehler und wirkte damit alles andere professionell. Auch die ausliegende Teilnehmerliste widersprach einer professionellen Betreuung. Während sich ein Teil der Vorstandmitglieder und Geschäftstellenmitarbeiter auf der Liste wiederfanden, war es offensichtlich nicht möglich, mit Volker Fiedler einen der größten Sponsoren des Vereins auf die Liste zu integrieren. Dass damit ein für den Verein wichtiger finanzieller Beitrag gefährdet wird, wurde billigend in Kauf genommen.

Die Geschehnisse vom 2. Juli lassen sich mit den Beschlüssen der Mitgliederversammlung nicht in Einklang bringen. Es drängt sich der Eindruck auf, dass die von den Fans vorgeschlagenen und mit großer Mehrheit gewählten Vorstandsmitglieder aus der aktuellen Arbeit ausgeschlossen werden sollen. Da ist dann der gedankliche Weg zur nächsten Mitgliederversammlung im November 2020 nicht mehr weit. Offensichtlich sollen Kritiker an den Rand gedrängt werden und damit Platz für Kandidaten geschaffen werden. Der 2020 zurückgetretene Präsident des FC Thüringen Weida sowie der 2013 zurückgetretene Vorsitzende der BSG Wismut Gera dürfte dabei auf der Wunschliste ganz oben stehen. Letzterer sollte bereits 2019 auf Wunsch von Neuhaus wieder in den Vorstand integriert werden. Klar ist allerdings, dass ein derartiges Votum den Verein BSG Wismut Gera umgehend vernichtet hätte. Neuhaus wollte es trotzdem probieren. Dass dies nicht gelang, ärgert Neuhaus noch heute. Es wäre keine Überraschung, wenn im November 2020 ein neuer Anlauf unternommen wird.

Unabgestimmte Einzelgänge: Ich habe … den Aufstiegsplatz erkämpft.

Am Morgen des 25. Juni war es der Funke Mediengruppe vorbehalten, Mitglieder und Fans des Vereins über die Aufstiegspläne der BSG-Vereinsführung zu informieren. Dass der Verein in diesem Zusammenhang drei Neuzugänge plant, erfuhr das Vereinsmitglied ebenfalls nicht über die Kommunikationskanale seiner BSG, sondern von der Mediengruppe, die erst vor wenigen Monaten mit einer mehr als fragwürdigen Berichterstattung im Rahmen des Auswärtsspiels in Arnstadt den BSG-Anhang in Verruf brachte. Ursache dafür ist nicht der Journalist Jens Lohse, der ganz im Sinne seiner Arbeit recherchierte, sondern ein Vorsitzender, der vor Ablauf der Frist zur Staffeleinteilung bereits über Aufstieg und Neuzugänge informiert. All dies passiert ohne Rücksprache mit dem Vorstand.

Auch erfahren Vorstands- und Vereinsmitglieder fünf Tage später vom Online-Portal FuPa.net, dass im Fall einer Saisonfortsetzung der Verein nicht mehr in die attraktive Liga aufsteigen will. “Wir haben das allerdings noch nicht im Vorstand besprochen”, erklärt Neuhaus. Zum wiederholten Male berichtet er über seine Position zu so einer weitreichenden Entscheidung ohne Rücksprache mit dem Vorstand. Mehr muss man zum Demokratieverständnis des Vorsitzenden gar nicht wissen. Außer vielleicht noch, dass dem Vorgänger vorgeworfen wurde, unabgestimmt vorzugehen. Man stelle sich vor, Vorstand Jan Genseke informiert bei FuPa.net, dass er mit Stefan Raßmann über eine Verpflichtung in der neuen Saison gesprochen hat. Was wäre damit für eine Aufregung am Steg verbunden. Auch gelingt es dem Vorsitzenden nicht, die Widersprüche in den eigenen Aussagen zu erkennen. „Die Haltung von Fahner Höhe kann ich auch nicht verstehen. Entweder ich will aufsteigen oder nicht“, so der Vorsitzende des Vereins; der am 25. Juni erklärt, dass er aufsteigen würde und am 1. Juli verkündet, dass er das im Fall einer Saisonfortsetzung nicht mehr will.

ICH HABE mich für den Saisonabbruch in Thüringen sehr engagiert und damit auch DEN AUFSTIEGSPLATZ ERKÄMPFT“, erklärt Neuhaus in bezeichnender Art und Weise im FuPa-Artikel. Er war es also, der sich für einen Abbruch einsetzte, nicht der gesamte Vorstand? Die Arbeit der anderen Vorstandsmitglieder spielt genauso wenig eine Rolle wie die Wahrheit. Denn dann müsste Neuhaus erklären, dass die 1. Männermannschaft gar nicht in der Verbandsliga spielen würde. Es war der erklärte Wille von Frank Neuhaus und Hans Joachim Seidel, die BSG im Sommer 2019 wieder in die Landesklasse zurückzuziehen, ganz wie zu blau-weißen Zeiten. Allein eine Absprache mit dem damaligen Trainer Frank Müller, dass dieser nur im Falle des Starts in der Verbandsliga weiter machen würde, konnte dies verhindern. D.h. den Startplatz in der Verbandsliga und damit die heutige theoretische Möglichkeit des Aufstiegs hat eben nicht Frank Neuhaus erkämpft.

Lange Geschichte der „Missverständnisse“ – Patrick Posselt als Retter der BSG

Nun kann man Verständnis dafür haben, dass im Umfeld einer Pandemie nicht alles reibungslos verläuft. Doch beim Blick in die jüngere Vergangenheit wird deutlich, dass fragwürdige Entscheidungen eine gewisse Tradition bei der BSG haben. So hatte sich die Vereinsführung mit der Verpflichtung von Trainer Patrick Posselt im Jahr 2016 über die Stadtgrenzen hinaus blamiert. Obwohl namhafte Kandidaten im Gespräch waren, entschied sich die Vereinsführung nach Aussagen des damaligen Vize Neuhaus bewusst für Posselt, weil dieser Kandidat „das beste Konzept hatte“. Erkennbar war dieses Konzept allerdings weder für Fans noch Spieler. Nach zwei Niederlagen trat Posselt via SMS zurück und sorgte für Lacher in Fußball-Thüringen auf Kosten der BSG, schließlich hatte die Vereinsspitze wenige Wochen zuvor Posselt als „Retter der BSG“ öffentlich vorgestellt.

Doch das war nicht der einzige Widerspruch. Im Sommer 2016 erklärte die Vereinsführung, dass noch im Gegensatz zu den Aussagen von vor 12 Monaten die Oberliga allein mit Fußballern aus der Region nicht zu halten sei. So wurde zu Beginn der Saison 2015/16 der Vertragsabschluss mit Marcel Hartmann noch euphorisch gefeiert: “Vize Präsident Frank Neuhaus ist einfach nur stolz, dass ein Urgestein der BSG an Bord bleibt. Solche Typen gibt es nicht mehr oft, egal ob 5. oder 10. Liga. Harti gibt immer sein letztes Hemd für uns“. Nur wenige Monate später erfolgte dann aber die Information, dass Marcel Hartmann das Oberligateam aus beruflichen Gründen verlassen muss. Auch der Weggang von Steve Lippold hinterließ nicht nur aufgrund des Verlustes eines langjährigen und treuen BSG-Spielers mehr als einen bitteren Beigeschmack. Schließlich gratulierte die von Neuhaus organisierte Social-Media-Abteilung des Vereins wenige Wochen zuvor „unserem Lippo“ zum 185. Spiel für die BSG und freute sich schon auf das runde 200er Jubiläum. Doch erneut drehte sich innerhalb kürzester Zeit die Informationslage. „Wir konnten uns mit Steve leider nicht auf einen angepassten Vertrag für die 2. Mannschaft einigen“, informiert Frank Neuhaus die Leser der Wismut-Facebookseite. Auch am Wahrheitsgehalt dieser Aussagen gab es Zweifel. „Man sollte bei solchen Äußerungen schon bei der Wahrheit bleiben. Wie ich aus ganz sicherer Quelle weiß, gab es solche Gespräche zu einem angepassten Vertrag mit dem betreffenden Spieler nie. Oder sie fanden dann ohne ihn statt“, widersprach Kathrin Lippold den Aussagen der Vereinsführung öffentlich. Da sich auch der betroffene Spieler an derartige Vertragsverhandlungen nicht erinnern kann, blieb das Gefühl zurück, dass es sich auch hier nicht um einen Ausrutscher, sondern um systematisches Vorgehen handelte.

Die wohl eindrucksvollste Veranstaltung in der Amtszeit des alten Vorstands war ein Treffen der Fanszene und des Vorstandes im Februar 2017 im Stadion der Freundschaft. Dabei versicherte der Vorstand um Fiedler und Neuhaus den Anwesenden mehrfach, dass die Sorgen um die finanzielle Situation völlig unbegründet wären. „Der Verein wäre wirtschaftlich gut aufgestellt und würde auch aktuell Gespräche mit weiteren potenziellen Unterstützern führen“, so Vize Neuhaus, um dann 24 Monate später zu erklären, dass man Oberliga nicht finanzieren könnte und einen Neustart mit Spielern aus der Region bräuchte.

Auch sind die Vorgänge um die M&C Service Marketing und Catering Neuhaus UG (haftungsbeschränkt) einmalig und bis heute nicht aufgeklärt. Die Firma des damaligen Vizepräsidenten bewirtschaftete die Vereinsgaststätte und trat gleichzeitig als Sponsor auf. Die Fragen derjenigen Mitglieder, die in der Mitgliederversammlung wissen wollten, warum nicht der Verein eine wirtschaftende Tochter ausgegliedert hat, was es mit der negativen Abrechnung aus dem Dynamo-Spiel auf sich hat und warum ein als Steuersparmodell tituliertes Projekt als Sponsor auftreten muss, wurden mit Verweis, dass es sich dabei um eine Privatangelegenheit handelt, nicht beantwortet. Wenige Wochen nach der Mitgliederversammlung erfährt das Mitglied auf der Facebook-Seite des Vereins, dass M&C Service nun auf Wunsch der Mitglieder nicht mehr für die Bewirtschaftung verantwortlich sei. Dabei war der eigentliche Mitgliederwunsch nach Aufklärung nie erfüllt worden. Die Tatsache, dass M&C Service Marketing und Catering Neuhaus UG (haftungsbeschränkt) auf der Vereinsinternetseite noch heute als Sponsor geführt und gleichzeitig eine der größten Banden im Stadion vorweisen kann, ist mindestens bemerkenswert. Es bleibt zu hoffen, dass auch eine entsprechende große finanzielle Unterstützung des Vereins erfolgt. Aber sicherlich ist das auch Privatsache. Genauso wie die Tatsache, dass der Vorstandvorsitzende bei Sponsorentreffen die Sinnhaftigkeit der Entscheidung des Vorstandes hinterfragt.

Vereinsmitglied ohne wirksame Mitgliederrechte

Die Gesellschaft gesteht den Vereinen steuerliche Privilegien zu, weil sie wichtige gesellschaftliche Aufgaben übernehmen, die ansonsten vom Staat übernommen werden müssen. Doch wenn wesentlich Aspekte des Vereinsrechts ignoriert, wenn Beschlüsse des obersten BSG-Gremiums nicht umgesetzt werden, dann verwirkt ein Verein dieses Recht. Weder das Erreichen unternehmerischer Ziele oder die persönliche Profilierung sind Aufgaben eines gemeinnützigen Vereins. Allein das Gemeinwohl bzw. dessen Förderung sollten im Mittelpunkt stehen.

Die aktuelle Vereinspolitik steht im Widerspruch zu den demokratischen Grundsätzen des Vereinsrechts. In der Zwischenzeit hat die aktuelle Vereinsspitze jedes Recht verwirkt, den langjährigen Präsidenten zu kritisieren. Unabgestimmte Einzelgänge, das Ignorieren des Mitgliederwillens sowie die Missachtung der personellen Entscheidungen der Mitgliederversammlung – das ist die BSG Wismut Gera im Jahr 2020.

Unabhängig davon danke ich allen Unterstützern und Gremienmitgliedern der BSG, die uneigennützig Zeit und Kraft in die Weiterentwicklung des Fußballs in unserer wunderbaren Heimatstadt investieren.

100 % für Gera!

Glück auf!