Schuld sind die anderen …

Wer glaubte, dass es im Umfeld des Derbys ruhig bleibt und alle sich besonnen auf den Derbysamstag konzentrieren, sah sich getäuscht. 24 Stunden vor dem Spiel nutzt Olaf Wenzel, Nachwuchsleiter beim JFC Gera, die mediale Aufmerksamkeit um sowohl in der OTZ als auch im Onlineportal fupa.net den Verantwortlichen bei der BSG Wismut Gera „Untätigkeit“ vorzuwerfen.

Ruhig war es in den letzten Tagen vor dem historischen Stadtderby. Ungewöhnlich ruhig, schließlich treffen mit der SG aus TSV Westvororte und dem JFC Gera sowie der BSG Wismut Gera die zwei Zentren des Fußballs in der Stadt aufeinander. Auch wenn sich die Wurzeln des Jugendfußballclubs Gera in der Nachwuchsarbeit des 1. FC Gera 03 wiederfinden, so ist die abgrundtiefe Abneigung aus den Derbyzeiten bei den Anhängern der BSG Wismut Gera vor dem Duell in Scheubengrobsdorf nicht vorhanden. Gegenseitiger Respekt und die fehlenden Berührungspunkte bei Pflichtspielen in der Vergangenheit dürften die wesentlichen Gründe dafür sein.

Auch haben die Gastgeber mit der Festlegung der Spielzeit sowie ihrer Entscheidung in der „Saarbach-Arena“ zu spielen, alles richtig gemacht. Die Entscheidung gegen das Stadion der Freundschaft ist eine Entscheidung für ein stimmungsvolles Derby. Dass damit für die Anreisenden mindestens Parkplatzprobleme verbunden sind, ist verschmerzbar.

Wer nun aber glaubte, dass es im Umfeld des Derbys ruhig bleibt und alle sich besonnen auf den Derbysamstag konzentrieren, sah sich getäuscht. 24 Stunden vor dem Spiel nutzt Olaf Wenzel, Nachwuchsleiter beim JFC Gera, die mediale Aufmerksamkeit um sowohl in der OTZ als auch im Onlineportal fupa.net den Verantwortlichen bei der BSG Wismut Gera „Untätigkeit“ vorzuwerfen. Dieser Vorwurf trifft die ehrenamtlichen Verantwortlichen der BSG bzw. Nachwuchs-SG hart, schließlich haben die „Dietls und Fischers“ in den vergangenen Monaten viel (Frei-)Zeit investiert und sich mit dem Aufbau der Nachwuchsakademie für den Fußball in der Stadt Gera engagiert. Es bleibt zu hoffen, dass der Verein besonnen reagiert.

Stein des Anstoßes ist die Tatsache, dass eine vom JFC „unterschriebene Kooperationsvereinbarung“ von den BSG-Verantwortlichen nicht unterzeichnet wurde. Über die Inhalte der Vereinbarung ist bisher offiziell nichts bekannt, auch liefern die Veröffentlichungen dazu keine relevanten Informationen. Nun kann es für eine fehlende Unterschrift mehrere Gründe geben. Neben der „Untätigkeit“ besteht eben auch die Möglichkeit, dass die Inhalte als nicht unterschriftswürdig bewertet wurden. Dafür kann es gute und nachvollziehbare Gründe geben. Es hätte den Verfassern der Artikel gut angestanden, vor der Veröffentlichung auch den Nachwuchsleiter der BSG Wismut Gera nach den Gründen für die Ablehnung des Vertrages zu fragen.

„Wir hatten Wismut Gera eine von uns bereits unterschriebene Kooperationsvereinbarung vorgelegt. Doch nach Wochen der Untätigkeit wurden die Verhandlungen ergebnislos abgebrochen, wodurch wieder eine Chance für den Geraer Fußball verloren ging.”

Olaf Wenzel in der OTZ vom 23. August 2019
https://www.otz.de/regionen/gera/b-junioren-verpassen-regionalliga-id226861155.html

Unabhängig davon ist die Information über „ergebnislos abgebrochene Verhandlungen“ unmittelbar vor dem Derby alles andere als förderlich. Gerade das Spiel in der Saarbach-Arena hätte die Möglichkeit eröffnet, näher zusammenzurücken oder mindestens den Gesprächsfaden wieder aufzunehmen. Besonders die geräuschlose Vorbereitung und gute Zusammenarbeit beispielsweise zwischen TSV-Organisator Schlebe und BSG-Vorstand Genseke hatte die Hoffnung aufkeimen lassen, dass dies auch gelingen kann. Offensichtlich besteht daran kein Interesse mehr – anders lassen sich die Aussagen Wenzels kaum interpretieren. Wie nahezu jeder Vereinsoffizielle erklärt auch der JFC-Nachwuchsleiter wieder einmal, dass „wenn alle Funktionäre und Vereine an einem Strang ziehen würden, könnten wir für die Stadt noch viel mehr herausholen.“ Da er selbst keine Punkte aufführt, die Wenzel in seinem Verein für den Geraer Fußball verändern würde, geht er offensichtlich davon aus, dass sich nur die anderen bewegen müssen, um den Geraer Fußball voranzubringen. Und genau diese Sichtweise ist es, die dem Geraer Fußball nicht helfen wird. Ein Aufeinander zugehen ist nur dann möglich, wenn alle – und nicht nur „die anderen Vereine“ – bereit sind, sich von ihrer angestammten Position zu entfernen. Genau das bräuchte der Geraer Fussball. Doch das dies in den kommenden Monaten passieren wird, dürfte nach dem Interview unwahrscheinlicher als jemals zuvor sein,

glaubt Euer Paparazzo Orange!