DER VERBAND – TÖRICHT, FAHRLÄSSIG UND VERANTWORTUNGSLOS!

Ein Kommentar: Der Thüringer Fußballverband präsentiert sich in der größten Krise des Fußballs führungs- und verantwortungslos. So erklärt der Verband – mit einer eigenen Sportgerichtsbarkeit und damit quasi einem eigenen Rechtssystem – ausgerechnet im Fall der Corona-Krise und damit der größten Herausforderungen seit dem politischen Umbruch, keine eigenständigen Entscheidungen treffen zu wollen. Spiele sollten selbst dann durchgeführt werden, wenn Spieler erkrankt sind.

„Auch nach weiteren bestätigten Fällen von Coronavirus-Infektionen im Verbandsgebiet wird der Spielbetrieb auf Kreis- und Verbandsebene (Herren, Frauen, Jugend) aufrechterhalten, so lange von Kommunen keine Sperrung von Sportanlagen oder ein Verbot von öffentlichen Veranstaltungen angeordnet wird. Wir fällen als Fußball-Organisation keine unabhängigen Entscheidungen, sondern folgen den Entscheidungen der Kommunen und Behörden“, so der Verband noch am 11. März, d.h. zehn Tage bevor das gesamte Land aufgrund des exponentiellen Wachstums der Anzahl an Infizierten das öffentliche Leben nahezu lahm legen musste. Auch aufgrund der Drohung, dass ein Nichtantritt „nur“ aus Sorge um die Gesundheit und „ohne Vorlage einer behördlichen Anordnung“ wie ein Nichtantritt zu werten sei, hielten viele Thüringer Vereine den Trainingsbetrieb in allen Altersklassen aufrecht. Damit verbunden war stets die Gefahr, dass sich der Virus unter den Sportlern und ihren Angehörigen weiterverbreitet. Dieses Risiko wurde ganz offensichtlich in Kauf genommen, obwohl zahlreiche Experten zu diesem Zeitpunkt bereits vor italienischen Verhältnissen in Deutschland warnten und Veranstaltungsabsagen forderten.

In der Zwischenzeit scheinen die Hobby-Virologen in der TFV-Zentrale in Erfurt ernsthaft zu glauben, dass das Virus nachdem 19. April den Freistaat Thüringen verlassen hat. Dementsprechend wurden die Vereine mit einer Umfrage zum weiteren Fortgang der Saison und deren Auswertung unterhalten, die sinn- und wirkungsloser kaum sein könnte. So vermitteln die Fragen den Eindruck, als könnte die Saison in einigen Wochen fortgesetzt werden. Es wäre keine Überraschung wenn dieser Eindruck bei Titel- oder Abstiegskandidaten den Gedanken reifen lässt, dem unverantwortlichen Beispiel von RaBa Leipzig zu folgen und mit dem Training wieder zu beginnen.

Dabei ist die Sachlage – zumindest für alle Experten außerhalb der TFV-Zentrale – völlig klar. Der Thüringer Amateurfußball wird aller Voraussicht nach im Jahr 2020 kein Fußballspiel mehr erleben. Somit sind die möglichen Handlungsoptionen begrenzt. Entweder führt man die bisherige Saison Anfang 2021 fort oder man beendet die Saison 2019/20 in allen Wettbewerben so als wäre nie gespielt worden und beginnt mit der Saison 2020/21 Anfang 2021. Doch der TFV hält – wohl auch aus egoistischen Überlegungen – am Gedanken fest, dass nach dem 19. April in Thüringen Fußball gespielt werden kann und versteckt sich hinter der Suche nach einer gemeinsamen Lösung mit DFB, DFL und NOFV. Doch wer glaubt, dass nur eine gemeinsame Lösung mit dem Deutschen Fußball-Bund (DFB) und insbesondere der Deutschen Fußball-Liga (DFL) in Frage kommt, unterschätzt die völlig unterschiedlichen Vorrausetzungen zwischen der 1. Bundesliga und der Verbandsliga Thüringen. Offensichtlich hat man in der TFV-Zentrale noch nicht verstanden, dass die Vereine aus Teistungen, Gera und Weida keine Einnahmen aus Fernsehgeldern haben und daher eventuelle Geisterspiele keine Probleme lösen können.

Ein fußballfreies Jahr ist für zahlreiche Vereine existenzbedrohend. Ein Verband der klar bei Sinnen ist und Verantwortung wahrnimmt, erkennt das und berät die Vereine im Umgang mit den damit verbundenen Herausforderungen. All dies macht der Verband in Thüringen nicht. Vielmehr werden Information zu Kurzarbeit kommuniziert, die für 99,9 % der Vereine in Thüringen überhaupt nicht relevant sind.

Der Thüringer Fußballverband lässt jegliche Souveränität im Umgang mit der Coronakrise vermissen. Ganz offensichtlich wird der Rat von Experten nicht gehört oder ignoriert. Die Konsequenz für die Vereine kann nur sein, die Beitragsgelder zu sparen und ihre Mitgliedschaft in einem Verband, der keine eigenen Entscheidungen zum Wohl der Vereine und Menschen treffen will, zu kündigen. Eine Zeit ohne Wettbewerb braucht eben auch keinen Verband. Hinzu kommt, dass in den letzten Wochen deutlich geworden ist, dass weder die Gesundheit der Bevölkerung noch seiner Mitglieder im Fokus der Bemühungen der Verantwortlichen steht. Ein derart unsozialer Verband ist gesellschaftlich überflüssig,

glaubt Euer Paparazzo Orange.