Während das Präsidium der DFL – insbesondere nach dem unterschiedlichen Vorgehen am letzten Bundesliga-Wochenende – eine Präzisierung des sog. „Drei-Stufen-Plans“ fordert, erklärt der NOFV die Umsetzung des Planes zum kommenden Spieltag. Die zahlreiche Fragen, die sich mit Blick auf konkrete Interpretation, Umsetzung und eventueller Konsequenzen stellen, beantwortet weder der NOFV noch die Landesverbände. Doch insbesondere Vereine mit einer größeren Fanszene dürfte die unterschiedliche Auslegung – und ausdrücklich nicht der Inhalt – des „Drei-Stufen-Plans“ vor größere Probleme stellen.

Der Drei-Stufen-Plan sieht nach Angaben des NOFV folgendes vor:

  1. das Spiel zu stoppen (gefolgt von einer Stadiondurchsage mit der nötigen Erklärung und Aufforderung, den diskriminierenden Vorfall zu unterbinden);
  2. das Spiel auszusetzen, indem die Spieler für eine angemessene Zeit zurück in die Umkleidekabine geschickt werden (gefolgt von einer Stadiondurchsage mit der nötigen Erklärung und Aufforderung, den diskriminierenden Vorfall zu unterbinden);
  3. das Spiel abzubrechen (gefolgt von einer Stadiondurchsage mit der nötigen Erklärung und Aufforderung, das Stadion gemäß den Anordnungen des Sicherheitspersonals zu verlassen).

In der NOFV-Information bleiben alle Fragen, die sich insbesondere im Zusammenhang mit den Spielen in der Bundesliga am vergangenen Wochenende gestellt haben, unbeantwortet. Es fehlen weiterhin klare Richtlinien zu Umsetzung. Während nach Angaben der Sportschau-Redaktion die Vereine der 2. Bundesliga zahlreiche Fragen an DFB und DFL übermittelt haben, fehlt auf Landesebene die kritische Nachfrage bisher völlig. Doch ohne Antwort bzw. Klarstellung drohen Spielabbrüche ohne juristische Grundlage, eine Einschränkung der Meinungsfreiheit und völlig überforderte Vereine.

Daher wäre es erforderlich, dass die Thüringer Vereine mindestens die folgenden Fragen an NOFV und TFV stellen:

Während beim Punktspiel des FC Bayern in Hoffenheim eine Spielunterbrechung aufgrund einer Beleidigung von Dietmar Hopp erfolgte, wurde das Pokalspiel des FC Bayern beim FC Schalke 04 nicht unterbrochen, als in diesem Fall Manuel Neuer inhaltsgleich beleidigt wurde.

  1. Wird der Drei-Stufen-Plan nur bei Inhalten gegen Dietmar Hopp eingesetzt oder ab sofort auch bei rassistischen, diskriminierenden, homophoben, sexistischen Äußerungen jeglicher Art, bei denen es bisher nicht zu Spielunterbrechungen kam?
  2. Gilt der Drei-Stufen-Plan nur für Spruchbänder oder grundsätzlich alle Äußerungen im Umfeld eines Fußballspiels?
  3. Welche Möglichkeiten sieht der Verband, um solche diese Gesänge zukünftig verhindern?
  4. Werden Vereinsfunktionäre, Ordnungsdienste und Schiedsrichter geschult, was als Beleidigung bzw. Vorfall im Sinne des Drei-Stufen-Plans zu bewerten ist und was nicht? Wenn ja, nach welchen (juristischen) Richtlinien erfolgen diese Fortbildungen?
  5. In jüngster Vergangenheit haben Gerichte überraschende Urteile gegen Politiker gefällt, die sich bei “Sachgemäßheit” und aufgrund einer “freien Meinungsäußerung” aus Sicht vieler Bürger eine zu weitgehende Beleidigungen gefallen lassen müssen. Wie bewerten die Verbände diese Gerichtsurteile? Gibt es eine juristische Analyse?
  6. Wurde die Möglichkeit bedacht, dass eine Beleidigung zu einem Spielabbruch und ggf. Punktabzug/Ausscheiden aus dem Pokal führt, aber vor einem ordentlichen Gericht nicht als solche bewertet wird?
  7. Wie geht der Schiedsrichter mit einer Situation um, wenn ein Spieler eine Beleidigung/Diskriminierung seitens der Zuschauer eines Gegenspielers meldet?
  8. Wie geht der TFV mit der Aussage des Trainers des SV Ehrenhain um, aufgrund von Beleidigungen zukünftig nicht mehr in Teistungen spielen zu wollen?

Am vergangenen Wochenende sorgte in der 3. Liga beim Spiel SV Meppen – MSV Duisburg u.a. folgendes Spruchband für eine Spielunterbrechung: „Hat der Dietmar genug Kohle – Wird zu seinem Schutz und Wohle – Von Leuten deren Wort nichts wert – Mal wieder jemand ausgesperrt.“ Es stellen sich auf dieser Grundlage mehrere Fragen:

  1. Wie soll mit Spruchbändern gegen die Person Dietmar Hopp umgegangen werden, die aus Sicht der Vereine nicht beleidigend sind?
  2. Sollen zukünftig solche Meinungsäußerungen auf Spruchbändern unterbunden bzw. durch die austragenden Vereine nicht mehr genehmigt werden?
  3. Wenn ja, wie soll das realisiert werden?

In der Vergangenheit war auf Spruchbändern u.a. Folgendes zu lesen: NarrenOhneFachVerstand. Weiterhin führte die Tapete “2017 Kollektivstrafen abgeschafft, nun Hopp hofiert und zwei Schritte zurück gemacht. Fick dich, DFB!“ beim Bundesligaspiel zwischen 1. FC Union Berlin und dem VfL Wolfsburg zur Aktivierung von Stufe 1.

  1. Wie soll mit Tapeten, die sich gegenüber den Fußballverbänden kritisch äußern, umgegangen werden, wenn diese in der Vergangenheit teilweise toleriert wurden.
  2. Sollen Spruchbändern, auf denen die Fußballverbände kritisiert werden, nicht mehr genehmigt werden?

Die letzte Stufe des Drei-Stufen-Plans ist gleichbedeutend mit einem Spielabbruch. Auch wenn die Verbände hoffen, dass diese Situation nie eintritt, müssen die Konsequenzen für den Fall der Fälle klar sein. Daher stellen sich folgende Fragen:

  1. Welche Folgen haben die Vereine zu erwarten, wenn ein Spiel abgebrochen werden muss?
  2. Erfolgt die sportliche Wertung oder wird es in diesem Fall ein Wiederholungsspiel geben?
  3. Wie erfolgt die sportliche Wertung, wenn beleidigende Inhalte durch Fans beider Vereine gezeigt werden?
  4. Wie erfolgt die sportliche Wertung, wenn die Äußerungen keinem Verein bzw. Fangruppe zuzuordnen sind?
  5. Wurde der Fall einer möglichen Täuschung bzw. Provokation eines Spielabbruchs zur Verhinderung einer Niederlage bei der Konzeption berücksichtigt?

Im Zusammenhang mit den Ereignisses des Wochenende hat das DFL-Präsidium ausdrücklich erklärt, dass es die vielen positiven Beiträge zahlreicher Fan-Gruppen im Sinne der Fußball-Kultur anerkennt.

  1. Erkennen auch die Verbände des NOFV und TFV die positiven Beitrage der Fanszene in den jungen Bundesländern bzw. Thüringen an?
  2. Welche Gespräche wurden durch die Verbände in ihrem Zuständigkeitsbereich geführt, um präventiv die Lage zu deeskalieren?
  3. Gibt es einen Dialog mit den Vereinen, welche eine organisierte Fanszene vorweisen können?
  4. Gibt es einen Dialog mit den Fanszenen der Region?
  5. Glauben die Verbände nach dem Fokus auf Dietmar Hopp, dass weitere Sanktionen die Lage beruhigen werden?
  6. Sind auch NOFV und TFV der Meinung, dass Kollektivstrafen in einem Rechtsstaat ein probates Mittel sind?
  7. Können die Verbände TFV und NOFV ausschließen, dass es Ihnen darum geht, demokratische Proteste gegen eine Aushöhlung der 50+1 Regel zu verhindern?